Erfahrungsbericht 7


Warum ich die Kirche verlassen habe

Der Schritt, die Kirche zu verlassen, war nichts, was ich auf die leichte Schulter genommen habe oder was aus einer Laune heraus geschah. Es ist sehr schmerzlich, nach 25 Jahren festzustellen, daß das Evangelium der Mormonen nicht wahr ist. Diese Entdeckung stellt das ganze bisherige Leben in Frage und das Loch, die Leere, die bleibt, wenn alles, an was man bisher geglaubt hat, alles, worauf seine Hoffnungen beruhen, auseinanderbricht, ist ein Gefühl, das ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Jetzt noch, nach zwei Jahren habe ich keine Alternative gefunden, das zu ersetzen, was ich in der Geborgenheit des Glaubens fand.

Und immernoch sehe ich mich wieder und wieder mit Bekehrungsversuchen konfrontiert und muß erkennen, daß niemand mir glaubt, was ich wirklich erkannt habe, daß das Evangelium nicht wahr sein kann. Jeder unterstellt mir andere Gründe für den Austritt: seine Version eines Abgefallen Mitgliedes mit Motiven, mit denen er leben kann.

Es ist anscheinend leichter eine Tochter zu lieben, die sündigen will, als eine, die behauptet, etwas erkannt zu haben, was seiner eigenen Überzeugung zuwiderläuft. Würde man zugeben, daß man mir glaubt, müßte man ja seinen eigenen Glauben in Frage stellen. Und so verdrängen alle Leute meine Erklärungen und wenn ich das nächste Mal von ihnen höre, haben sie eine total merkwürdige Version meines Austritts, die sich mit meinen Erklärung überhaupt nicht deckt. Mir werden Motive unterstellt, die mich zutiefst verletzen und beleidigen, denn wer diese wahrhaft glaubt, der kennt mich nicht. Und am schmerzlichsten ist es, wenn selbst die eigene Mutter und die angeblich "beste" Freundin in der Kirche mir Motive andichten, die schlicht und einfach gelogen sind.

Darum, und auch weil ich hierdurch einen Weg der inneren Bewältigung des Themas gefunden habe, habe ich mich entschlossen, meinen Austritt schriftlich zu dokumentieren und jedem zur Verfügung zu stellen, der behauptet, ich sei aus anderen Gründen ausgetreten, als aus innerer Überzeugung. Ich möchte auch jenen, die wissen möchten, wie es zu meinem Austritt kam, die Wahrheit zur Verfügung stellen.

Für mich ist Wahrheit nicht eine Sache des Willens, sondern eine Sache der Wahrheit. Wahrheit wiederspricht sich nicht, ist ewig und unveränderlich.

Als Mormone muß man ein ganzes Paket von angeblichen Wahrheiten anerkennen. Laut Lehre der Kirche, wie sie auch jeden Sonntag gelehrt wird, ist das Evangelium vollkommen, wohl fehlen ein paar Dinge, die noch nicht offenbart sind, aber was vorhanden ist, kommt von Gott und was offenbart wurde, ist wahr, ewig und unwiderlegbar.


Gefühle eines "Abgefallenen"

Alle, die ihr da steht und mich für meinen Entschluß verurteilt, Ihr kennt mich nicht! Was soll das, mich "Arschloch" zu nennen, weil für mich eine Welt zusammenbrach. Was soll das, mich zusammen mit Ehebrechern und Lügnern in einen Topf zu werfen! Ihr kennt mich nicht! Gefühle. Niemand, der weiß, wie ich mich jetzt fühle, würde von mir behaupten, ich hätte absichtlich nach Fehlern im Evangelium gesucht.

Ich wünschte bei Gott, ich wäre nie über die Fehler des Evangeliums, nennen wir sie Stolpersteine, gestolpert. Und jeder, der mir eigentlich helfen sollte, hat noch mehr Steine hinzugegeben. So fand ich mich irgendwann vor einem riesigen Berg von Stein und Geröll und wußte genau, selbst wenn ich einen Stein entfernen würde, lägen darunter noch etliche Steine, die viel zu schwer wiegen, als daß man sie einfach so mir nichts dir nichts auf die leichte Schulter nehmen oder hinter sich werfen könnte. Jeder Stein allein genommen reicht aus, um einem ehrlichen, um Wahrheit bemühten Menschen den Garaus zu machen. Jahrelang schleppt man die Stolpersteine in den Hosentaschen mit sich herum, muß feststellen, daß ein Loch in der Tasche ist und ein Stein herausplumst, einem immer wieder den Weg versperrt. Jahrelang habe ich diese Steine wieder in die Taschen gestopft, versucht, das Loch zuzunähen, aber der Zwirn wurde immer lichter, er hielt einfach nicht mehr, was er versprach und die Löcher platzten immer wieder auf.

Niemand würde von mir behaupten, daß ich Depressionen, Angst vor dem Tod, einen Zustand der Hoffnungslosigkeit, der den Sinn im Leben auslöscht, dem behaglichen Glauben an ein Leben nach dem Tod vorziehe. Ich wünschte, ich könnte noch glauben wie ihr. Ich wünsche es wirklich. Aber es ist nunmal keine Sache des Wünschens, die eine Sache wahr macht. Es ist die Sache an sich, die ihre Wahrhaftigkeit in sich selbst bewahrheiten und beweisen muß.


Wie ich auf Fehler im Evangelium stieß

Solange ich an das Evangelium glaubte, stand ich hundertprozentig hinter den Lehren und Prinzipien. Also ist es für mich eine Frage der Ehrlichkeit und Konsequenz, daß ich die Kirche verlasse, wenn ich nicht mehr an ihre "Wahrheit" glaube. Fehler, Widersprüche etc. das Evangeliums betreffend ist nichts, was man sucht, sondern man stolpert unvermittelt darüber, wenn man ehrlichen Herzens studiert und nachdenkt. Man könnte keine Fehler finden, wenn es sie nicht gäbe. Das ist gerade so, als ob man einem Mathematiklehrer vorwerfen wollte, er fände Fehler in der Arbeit eines Schülers, um ihm schlechte Noten geben zu können. Zugegeben, es ist sein Job Fehler zu finden, aber er kann nur dann welche finden, wenn der Schüler sie tatsächlich macht.

Normalerweise bleibt einem Mormonen keine Zeit zum Nachdenken. Er ist zu eingespannt in die Aufgaben der Kirche. Darum heißt es ja auch so oft, wer sich nicht wirklich intensiv mit dem Buch Mormon beschäftigt, verliert den Glauben. Jetzt kommt mir bitte nicht mit dem Satz: Aha, sie hat Zeit zum Nachdenken gehabt, also gibt sie zu, daß sie sich nicht genug mit den Schriften auseinandergesetzt hat! Nun, ich habe mich auseinander gesetzt. Doch nicht nur mit den heutigen Aussagen der Führer, die nichts anderes mehr tun, als von den einfachen Dingen zu erzählen, wie: zahle Zehnten, gehe in die Versammlungen und betreibe Missionsarbeit etc. Ich habe mich auch mit der Kirchengeschichte auseinandergesetzt und war entsetzt zu finden, daß kaum noch etwas von den "Wahrheiten" des ursprünglichen Evangeliums übriggeblieben ist.

Ich wußte vieles, was mich schließlich zum Austritt bewegte, schon lange, bevor dieser Schritt aktuell wurde. Aber, wie ich schon oben erklärt habe, verdrängte auch ich diese Punkte, weil mir niemand eine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Wenn ich zum Beispiel frage:"wie kommt es, daß es laut Offenbahrung erst seit ca. sechstausend Jahren Menschen gibt, wo doch die Wissenschaft so viele Beweise für die Evolutionstheorie hat?" und ein Mormone antwortet mir:"Das heißt Theorie, weil es eben keine Beweise gibt! Es ist nur eine Theorie." so kann mich das vielleicht in der Pubertät noch zufriedenstellen, aber bald merke ich, daß es sich ja gar nicht mehr um eine Theorie handelt. Mit zunehmendem Wissen, wachsen die Fragen und Zweifel, und was ich dann zu hören bekam, zwang mich buchstäblich zu handeln. Dies war für mich der ausschlaggebende Punkt. Daß die Propheten der alten Zeit Offenbahrungen über den ersten Menschen, das erste Fleisch auf Erden von Gott erhielten, und daß eben diese Offenbarungen sich heute nicht mehr rechtfertigen lassen. Ich habe diesem Thema ein Kapitel gewidmet, worin ich alles genau und ausführlich erkläre.

Mein Mann wurde zum Lehrer des Ältestenkollegiums berufen und entschied sich dafür, die Themen, die im Leitfaden vorgeschlagen wurden, durch Aussagen des Propheten Joseph Smiths zu untermauern und zu ergänzen. Er wollte den Unterricht interessanter gestalten, weil der Leitfaden schon so oft durchgearbeitet wurde. Er ging sogar zum Bischof, um die Erlaubnis, eigene Themen zu formulieren, zu erbitten. Der Bischof gab grünes Licht, war auch der Ansicht, daß der Leitfaden eben nur als Vorschlag zu verstehen sei, falls einem selbst keine Themen einfielen oder man nicht die Zeit hätte sich mit Aspekten des Glaubens auseinanderzusetzen, um neue Themen zu entwickeln.

Mein Mann nahm seine Berufung sehr ernst und machte sich sofort mit Eifer daran, das Buch "die Lehren des Propheten Joseph Smith" zu erarbeiten. Er war begeistert darüber, wie klar dieser Mann seine Lehren in Worte faßte und fing an, ihn im Unterricht zu zitieren. Er mußte schnell merken, daß Joseph Smith Lehren anscheinend veraltet waren. Dies machte ihn stutzig, aber anfangs schob er es noch den Mitgliedern der Gemeinde zu, die die Kirche wohl zu unmodern fanden und sie am liebsten reformieren würden. Doch dann stieß er auf Aussagen des Gründers der Kirche, die so in der heutigen Zeit nicht mehr gelehrt werden, die sogar der heutigen Kirchenlehre fatal widersprechen. Er wurde wieder stutzig und fing an, mehr zu lesen und nachzuforschen. Immer wieder mußte er bemerken, wie viele Veränderungen im Evangelium gemacht worden sind, ohne daß man je von einer neuen Offenbarung gehört hatte. Nun, er kam ins Krankenhaus und hatte dort über eine Woche lang nichts zu tun, als nachzudenken. Als er nach Hause kam, hatte auch ich über vieles nachgedacht. Wir sprachen über unsere Zweifel und wurden uns einig, daß wir Hilfe brauchten, weil die Zweifel schon zu sehr an uns nagten. Wir redeten mit sehr vielen Mormonen. Teilweise mit sehr belesenen Mormonen, die sich wirklich auskennen und auch Einblick hinter die Kulissen haben. Niemand war in der Lage, die Argumente und Zweifel zu zerstreuen. Im Gegenteil. Jeder bestätigte uns auf seine Weise in der Vermutung, welch schmerzliche Gehirngymnastik nötig ist, um die Zweifel aus dem Herzen zu verbannen. Immer wieder wurde uns vorgeworfen, Fehler gefunden zu haben. Dies ist freilich leichter, als zu versuchen, die Fehler zu widerlegen oder zu ergründen. Uns wurde vorgeworfen, über unwichtige Dinge nachzudenken. Ich möchte aber über Dinge nachdenken dürfen, wichtig oder unwichtig ist doch rein subjektiv und liegt im Ermessen desjenigen, der darüber nachdenkt. Für mich ist die Frage, ob unsere Propheten tatsächlich mit Gott sprechen, ob ihre Offenbarungen tatsächlich von Oben kommen, sehr wichtig. Die gesamte Kirche beruht doch lediglich auf der Behauptung, daß ein Junger Mann vor fast 200 Jahren in der Lage war, mit Gott zu sprechen. Ich bin einfach nicht mehr in der Lage dieses Tunneldenken aufrechtzubewahren.


Adam - der erste Mensch auf Erden, das erste Fleisch und der Vater aller Menschen.

Heute kann sich die Kirche nicht mehr gegen die Massen von Beweisen wehren, die die Wissenschaft über die menschliche Entwicklung gefunden hat. Diese Funde und Beweise decken sich natürlich nicht mit der Lehre der Kirche und deren Zeitrechnung. Die Kirchenlehre lautet, daß 4000 vor Christi der erste Mensch gelebt hat. Wenn man nun nachfragt, heißt es immer, daß Adam ja zig Jahre im Paradies gelebt haben könnte, die Zeitspanne vor der Vertreibung sei ja gänzlich unbekannt.

Aber ich denke, wir sind uns einig, daß es laut des Evangeliums keine Fortpflanzung im Paradies gab. Außerdem hat Joseph Smith es wörtlich gemeint, mit dem ersten Fleisch auf Erden und Vater aller Menschen. Ich habe unzählige Male mit verschiedenen Mormonen über eben dieses Thema diskutiert, weil dies der Ursprung aller Fehler war, die ich durch Überlegung entdeckt hatte.

Darum erkläre ich diesen Punkt auch zu Anfang. Die Mormonen zitieren in einer solchen Situation gerne Kain, der hinauszog und sich eine Frau aus einem anderen Volk nahm. Folglich muß es doch so viele Menschen gegeben haben, daß man sie gar durch das Wort Volk von einander unterschied. Damit habe ich ja auch kein Problem. Ich weiß, daß es zur Zeit Adam etliche Menschen gab. Und von mir aus kann Adam auch multipotent gewesen sein und innerhalb weniger Jahre tausende von Menschen gezeugt haben. Mir geht es um die Zeit VOR Adam.

Zur Zeit der Vertreibung aus dem Paradiese hatten die Ägypter schon Schriftzeichen entwickelt. In China hielt man bereits Chroniken über die Herrscher und deren Kriege. In Australien gibt es Höhlenzeichnungen, die eine Chronik darstellen. Nach dem Motto:Und der König soundso hatte einen Sohn, und der zeugte eine Tochter namens... Diese Chronik läßt sich bis 20.000 vor Christi zurückdatieren!

Als ich mit einem Mormonen am Telefon darüber diskutierte, sagte er: Gut, dann gab es eben menschliche Wesen vor Adam, aber nur Adams Nachkommen waren wirkliche Menschen und die anderen sind halt ausgestorben. Da sagte ich: Was ist mit den Völkern, deren Linie lückenlos bis zur Zeit vor Adam zurückreicht. Was ist mit den Ägyptern heute, die noch genauso aussehen wie die Menschen vor 10000 Jahren? Darauf bekam ich die Antwort:"Vielleicht sind das in den Augen Gottes eben keine Menschen und deshalb haben sie auch so lange das Priestertum nicht bekommen." Ich schrie ins Telefon:"Okay, wenn es keine Menschen sind, dann kannst Du nach Australien fahren, einen Eingeborenen abknallen und seinen Kopf als Trophäe an die Wand hängen!" voll Zorn warf ich den Hörer auf die Gabel. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, hätte ich dieser Person gegenüber gestanden.

Ich bekam kurze Zeit später von einem anderen Mormonen einen Artikel eines Professors an der BYU. Leider habe ich mich dermaßen über diesen anmaßenden Artikel geärgert, daß ich ihn wegwarf. Hätte ich gewußt, daß ich später solche Schwierigkeiten mit der Begründung meines Austritts haben würde, hätte ich ihn natürlich behalten. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, daß ich mich würde jemals rechtfertigen müssen.

Dieser Artikel jedenfalls gab zu, daß es menschliche Wesen vor Adams Zeiten gab, und der Professor nannte sie Preadamiten. Hier wurde einfach eine moderne Abänderung der Kirchenlehre vorgenommen, ganz ohne Offenbahrung. Man beugte sich einfach der modernen Ansicht, daß die Menschheit älter als 6000 Jahre sei. Es gibt sogar schon einen Namen für diese Menschen:


Preadamiten

Der Professor erging sich nun stundenlang in Einzelheiten, was alles in der Bibel für eine solche Theorie sprechen würde. Da kann ich nur sagen: Waren Joseph Smith oder Joseph Fielding Smith nicht in der Lage, die Bibel richtig zu lesen? Viele Mormonen sagen an dieser Stelle:Es ist noch nicht alles offenbart, und wir können nicht alles wissen. Richtig. Aber was offenbart wurde, kommt von Gott. Warum macht Gott sich die Mühe, vor 150 Jahren ein "Datum" zu offenbaren, nur um es Generationen später, nachdem die Menschheit selbst dahintergekommen ist, daß alles Humbug war, zu sagen, Leute, Ihr habt ja recht, es gab Menschen vor Adam!?


Die Kirchengeschichte

Die offizielle Geschichte der Mormonen wurde umgeschrieben. Dies war eine der zerstörendsten Faktoren, die ich während meiner Untersuchung feststellen mußte. Die Tatsache, daß die Generalauthoritäten alles versuchen, um peinliche historische Begebenheiten zu vertuschen: Schließung der Archive, damit kein Dreck mehr ausgegraben werden kann, weitgehende Verheimlichung der Tatsache, daß das Buch Abraham nicht verbrannt wurde, sondern sich in einem New Yorker Museum befindet und überhaupt nichts mit Joseph Smiths "Übersetzung" zu tun hat, Fälschung der Generalkonferenzansprachen, so daß nur die wirklich Anwesenden wissen, was tatsächlich für ein Müll geredet wurde, etc. etc. etc., zeigt mir, daß die Generalauthoritäten wissen, was vor sich geht. Es mag einige geben, die die Beweise in den Archiven verpassen, weil sie nicht hinsehen oder nicht darüber nachdenken...

Es gibt ein einfaches Beispiel dafür, daß man Joseph Smith nicht einfach so glauben kann. Man kann das sogar in der offiziellen "History of the Church" nachlesen, aber nur wenige Mormonen machen sich diese Mühe. Einige Farmer in Kinderhook erlaubten sich einen Streich mit Joseph Smith und machten Kupferplatten, die, wie sie behaupteten, antike Inschriften enthielten. Sie vergruben sie in einem Indianergrab und gruben sie später wieder aus. Als Joseph Smith die Platten sah, "übersetzte" er direkt Teile davon, was er in seinem Tagbuch schreibt.

Hier ist eine wörtliche Wiedergabe aus dem Dokument History of the Church:

"I insert fac-similes of the six brass plates found near kinderhook, in pike county, Illinois, on April 23, by Mr. Robert Wiley and others, while excavating a large mound. They found a skeleton about six feet from the surface of the earth, which must have stood nine feet nigh. The plates were found on the breast of the skeleton and covered on both sides with ancient characters."

"I have translated a portion of them an find they contain the history of the person with whom they were found. He was a descendant of Ham, through the loins of Pharaoh, king of Egypt, and that he received his kingdom from the Ruler of heaven and earth."

Dies kann in der 1930er Version der "History of the Church" nachgelesen werden.

Obwohl die Farmer den Streich zugegeben hatten, behauptete die Kirche jahrelang, daß diese Platten echt waren. Die Tatsache, daß Joseph Smith Teile davon übersetzt hatte, machte es einfach unmöglich für die Kirche, den Streich anzuerkennen. Nachdem sie immer mehr widersprüchliche und unplausiblere Argumente hervorbrachte, gab die Kirche endlich vor 10 Jahren zu, daß die Platten Fälschungen waren. - Merkwürdig nur, daß uns Deutschen solches verschwiegen wird. Daß die Wenigen, die davon wissen, es in keinster Weise erwähnen, zeigt mir wieder wie groß die Anstrengungen aller Beteiligten sind, die Mitglieder im Dunkeln zu lassen, ihren Glauben zu erhalten und keine Fragen aufkommen zu lassen. Sie haben Angst, daß der Betrug (der wie ich heute annehme, gar nicht unbedingt Joseph Smith überleben sollte - er hat nicht damit gerechnet, daß sein Schwindel solche Ausmaße erreichen sollte) aufgedeckt wird!

Im amerikanischen Stern von August 1981 gibt es eine Aussage, worin die Kirche zugibt, daß die Platten gefälscht waren. Natürlich läßt es sie immernoch mit der peinlichen Aussage aus Joseph Smiths Tagebuch zurück... Und obwohl sie angeben, die Platten seien gefälscht, lassen sie die Aussage, daß die Übersetzung auch falsch sind, aus. Tatsächlich gibt es viele solcher Dinge, die Joseph Smith ursprünglich "übersetzt" hatte oder die ihm "offenbart wurden", die sich mittlerweile als Humbug erwiesen haben; doch kein Historiker der Kirche gibt das gerne zu. Folglich finden sie selbstverständlich keinerlei Erwähnung in Leitfäden der Kirche.

Der Punkt ist nicht der Streich der Farmer selbst, sondern die Tatsache, daß Joseph Smith sich immer dort entlarvt, wo er überprüft werden kann, und was man nicht nachprüfen kann, erscheint in diesem Licht reichlich verdächtig.


Das Buch Mormon

Die Kirche betrügt uns Mitglieder immer mit dem Bild, welches sie uns von Joseph Smith als ungebildeten Bauernjungen vermittelt. Er war sehr intelligent, hatte ein enormes Gedächtnis und konnte schwierige Literatur lesen. Viele sagen zu mir, wenn Joseph Smith kein Prophet war, muß er ein Genie gewesen sein, um das Buch Mormon zu erfinden. Niemand kann derartige Lehren von sich geben. Ich sage: kann er doch. Ließ mal Nietzsche, ließ Sokrates, und ließ Goethe und dann ließ noch einmal im Buch Mormon und sage mir, wer ein Genie ist.

Wußtet Ihr eigentlich, daß es eine gängige Annahme zu Joseph Smiths Zeit war, daß die Indianer von Juden aus Israel abstammen? Daß diese Theorie an Schulen gelehrt wurde? Daß es etliche Bücher gab, die die Geschichte des Buches Mormon widerspiegelt bevor das Buch Mormon "übersetzt" wurde. Wußtet ihr, daß der Hauslehrer von Oliver Cowdery ein Mann namens Ethan Smith (nicht mit Joseph verwandt) war, daß eben dieser Mann ein Buch mit dem Titel "A view of the Hebrews" geschrieben hat?

Es wurde 1823 geschrieben und 1825 veröffentlicht. Dieses Buch enthält alles, was Joseph Smith brauchte, um das Buch Mormon zu schreiben.

Das Buch Mormon ist der Grundstein der Kirche. Wenn man beweisen kann, daß es nicht von Eingeborenen Amerikas geschrieben wurde, sondern ein Produkt des 19. Jahrhunderts ist, dann ist die Kirche nicht, was sie von sich behauptet. Die Archäologie hat bewiesen, daß die Bibel authentisch ist und kann beweisen, daß vieles, was im Alten und Neuen Testament beschrieben wurde, wirklich stattfand und Geschichte wiedergibt. Dies ist mit dem Buch Mormon nicht der Fall. Tatsache ist, daß Archäologen in der Lage sind, die Archäologie des Buch Mormons zu widerlegen. Deshalb greifen die Gelehrten Mormonen auch nur noch auf "interne" Quellen zurück, seit sie erkennen mußten, daß es außerhalb der Kirche niemanden gibt, der wirkliche Beweise für das Buch Mormon zu geben in der Lage ist.

Das National Museum für Naturgeschichte (MUSEUM OF NATURAL HISTORY, SMITHSONIAN INSTITUT) hat folgende Aussagen bezüglich des Buches Mormon gemacht:

Eisen, Stahl, Glas und Seide wurden in der Neuen Welt (Amerika) nicht vor 1492 n.Chr. benutzt. (Haben die Nephiten HOLZSCHWERTER benutzt?!)

Kein Ägyptologe oder Spezialist der alten Welt und kein Spezialist der neuen Welt hat irgendeinen Zusammenhang zwischen der Architektur Ägyptens und der Mexikos finden können.

Es wurden keinerlei Schriftzeichen der alten Welt in ganz Amerika gefunden, die vor 1492 benutzt wurden. Keinerlei Hinweise auf verwandte Zeichen der alten Welt, mit Ausnahme von Nordischen Runen, die in Grönland gefunden wurden.

Das Naturgeschichtsmuseum gibt ferner an, daß bis zur Zeit der spanischen Invasion KEINE PFERDE in ganz Amerika lebten. Es gab sie einfach nicht. Dennoch wird im Buch Mormon oft von Pferden gesprochen.

Eine Kopie dieses Statements habe ich beigefügt. Es gibt etliche Tiere und Materialien, die im Buch Mormon erwähnt werden, die es zur Zeit des Buches Mormons nicht gab. Da ist die Rede von Weizen, obwohl nicht ein einziges Weizenkorn gefunden wurde, das aus einer Zeit vor der spanischen Invasion 1492 stammt. Weizen ist sehr haltbar und wurde in seiner vollständig erhaltenen Form oft in Ägypten gefunden-Weizen, der auf eine Zeit von tausenden von Jahren zurrückdatiert werden konnte. Aber nirgendwo in Amerika. Es ist also überhaupt nicht möglich, daß im alten Amerika Weizen angebaut wurde.

Um ganze Armeen mit Rüstungen und Waffen, wie sie im Buch Mormon beschrieben werden, auszurüsten, ist ein intensiver Eisenabbau erforderlich. Es gibt aber nicht den geringsten Hinweis darauf, daß im Alten Amerika Erze abgebaut oder Stahl verarbeitet wurde.

Dies ist der derzeitige archäologische Fund in Sachen Metall:

Blasebalg (notwendig zum Schmieden): keine

Messing: keine

Brustplatten: keine

Ketten: keine

Kupfer: kein

Eisen: kein

Erz, Metall: keine Anzeichen von Minen

Pflüge: keine

Silber: kein

Schwerter: keine

Stahl: kein

Es gibt so viele Hinweise, Beweise und offizielle Aussagen von Spezialisten (die nicht etwa das Buch Mormon widerlegen wollen, manche wissen nicht einmal von dessen Existenz), Archäologen, Geologen etc., daß jeder, der sich ein wenig eigenständig in die Materie hineinliest, zu demselben Schluß kommen muß: Das Buch Mormon ist fiktiv. Nur machen sich die wenigsten Mormonen die Mühe, nachzuprüfen, was die Kirche behauptet. Finden sie etwas, was gegen die Kirche spricht, so wird es unter Akte XY.. in eine Schublade gesteckt und verdrängt. Ich bin nicht gewillt, weiterhin zu verdrängen, was offensichtlich ist: Hier wird auf die Leichtgläubigkeit der Menschen spekuliert. Leider mit Erfolg.


Das Buch Abraham

Das Buch Abraham ist ein weiteres Dokument, worin sich Joseph Smith' Glaubwürdigkeit nachprüfen läßt. Dessen Ursprung ist ein Dokument, das in Smith' Besitz kam, und wovon behauptet wird, es seien die Niederschriften von Abrahams eigener Hand und mit seiner Unterschrift. ("Written by his own hand upon papyrus")

Zu Joseph Smith' Zeiten gab es niemanden, der seine Übersetzung hätte widerlegen können. Die Ägyptologie steckte noch in Kinderschuhen, es gab damals noch keinen Übersetzungscode für Ägyptisch. So konnte er mit der Unwissenheit der Menschen rechnen und behaupten, was er wollte. Sehr praktisch, wenn man nichts von dem, was er übersetzt, nachprüfen kann. Er hat sogar eine ägyptische Grammatik anhand seiner "Übersetzung" entwickelt. 1960 wurde seine Grammatik veröffentlicht und deckt sich in keinster Weise mit der gängigen ägyptischen Grammatik, wie sie mittlerweile erforscht ist.

Der erwähnte Papyrus ging verloren und es wurde angenommen, daß er 1871 mit dem großen Brand in Chicago vernichtet wurde. Aber er tauchte 1967 plötzlich im Metropolitan Museum of Art in New York auf. Die Kirche machte eine sensationelle Bekanntmachung: Die Papyrus-Rollen waren wiedergefunden worden! Ein Teil der Rollen wurde sogar als das Original identifiziert, das Joseph Smith in seiner Zeichnung "Fascimile No.1" abgemalt hat! Es gab für die Kirchenführer keinen Zweifel daran, daß dies das Original war, denn auf der Rückseite des Papyrus befanden sich Skizzen vom Kirtland Tempel und Randbemerkungen in Joseph Smiths Handschrift!

Keiner innerhalb der Kirche hatte Erfahrung in Ägyptologie und so wurden die Papiere zu verschiedenen unabhängigen Ägyptologen geschickt. Sie alle machten unabhängig von einander Übersetzungen und verglichen sie mit der Übersetzung von Joseph Smith. Sie kamen alle übereinstimmend zu der Überzeugung, daß dies tatsächlich die Originale waren, an denen J. Smith gearbeitet hatte.

Die Freude über die wiedergefundenen Papyrus-Rollen starb jäh, als sich herausstellte, daß das Original nichts mit dem zu tun hatte, was Joseph Smith "übersetzt" hat. Erst weigerte sich die Kirche, die Übersetzung des Papyrus zu veröffentlichen. Aber die Photographien des Papyrus waren schon an Dr. J.A. Wilson von der Universität von Chicago, Professor Klaus Baer vom Oriental Institut of Chicago und Professor Parker von der Brown Universität übergeben worden.

Unabhängig voneinander kamen sie alle zu dem Ergebnis, daß das ursprüngliche Papyrus ein Teil eines heidnischen Textes waren, der die Riten und Gebete der Präparation von Toten enthält. Dieser Text heißt "Hor of Burial" und Abraham oder seine Religion wurde in diesem Text nicht erwähnt.

Diese Männer datierten das Papyrus auf rund 100-200 vor Christi, also knapp 2000 Jahre nach Abraham. Jetzt war klar, daß man das Buch Abraham nicht mehr als Joseph Smith' Übersetzung des Papyrus hinstellen konnte.

Tatsächlich hat Stephen B. Thomson, ein Mormone mit Ph.D. in Ägyptology, in einer Konferenz in Salt Lake 1993 gesagt, daß es keinen Zusammenhang zwischen der "Übersetzung" des Buches Abraham und dem Papyrus gibt.

Anstatt zuzugeben, daß das Buch Abraham keine Heilige Schrift ist, haben sich die Verfechter der Kirche (recht seltsame) Wege gesucht, um das Buch zu verteidigen. Sie greifen nach dem letzten Strohhalm, scheint es. Manche behaupten nun, daß Das Buch Abraham in verschlüsselter Form in dem Original zu finden sei (was wieder einmal nicht nachzuprüfen ist).

Doch Hand aufs Herz - würde ein "eifersüchtiger Gott" (Joshua 24:14) sich eines heidnischen Rituals, welches Gebete an einen anderen Gott enthält und das einem heidnischen Propheten eingegeben wurde, bedienen, um 2000 Jahre später das wahre Evangelium zu offenbaren?! Seit wann macht er sich solche Mühe?! Und seit wann hätte ein heidnischer Prophet überhaupt die Gabe, Gottes Wort zu empfangen?!


Der Tempel

Die Tempelriten unterscheiden sich kaum von denen der Freimaurer. Joseph Smith war kurze Zeit, bevor ihm "offenbart wurde," daß Tempel und die Riten darin so essentiell für die Erlösung seiner Jünger sei, Mitglied bei den Freimaurern. Die wenigsten wollen das wirklich zugeben. Und wenn, dann immer mit dem Nebensatz, "ja, er war schon Freimaurer, aber nur sehr kurz, kaum lang genug um in deren Riten Einsicht zu haben."

Lang genug, um von dort alles abzugucken, was für seinen Tempel notwendig war: Der Zeitpunkt ist relevant, wenn man bedenkt, daß er just in dem Moment, weniger als zwei Monate nachdem er den dritten Grad der Freimaurer erlangte, die Offenbarungen über das Endowment bekam. Die Zeichen und Sprüche werden in derselben Reihenfolge aufgeführt, wie bei den Freimaurern. Dies scheint eine zu große Übereinstimmung, um Zufall zu sein.

Heute ist vieles aus den Zeremonien herausgenommen worden: Seltsamer Weise ohne offizielle Offenbarung, seltsam auch, wenn man bedenkt, daß die Riten "seit Anbeginn der Zeit", "seit Adam" unverändert ewig Bestand haben. Seltsam auch, daß es ausgerechnet die Riten sind, die bei den Freimaurern am gebräuchlichsten sind. Jeder, der die Änderung der Tempelzeremonien kennt, wird bestreiten, daß dies essentielle Eingriffe waren.


Die Sache mit dem Zeugnis

Nachdem ich ersteinmal erkannt hatte, daß die Möglichkeit besteht, daß die Kirche unwahr sein könnte, häuften sich die Argumente, die ich eigentlich schon immer kannte, die ich aber der Kirche zuliebe bereit war, zu verdrängen. In Wirklichkeit gibt es viele Dinge, die der Mormone genau weiß, die er aber leugnet, weil er an seinem Glauben hängt. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich mich damals immer wieder mit dem Geschichtslehrer angefeindet hatte, weil ich die Lehre der Evolution nicht anerkennen wollte. Ich wollte die Sätze nicht auswendig lernen, um der Schule gerecht zu werden. In diesem Jahr erhielt ich eine fünf in Biologie, weil ich mich weigerte, Aussagen zu formulieren, die meinem Glauben widersprachen.

Es heißt oft genug, wer sich mit Dingen beschäftigt, die der Kirche und dem Glauben nicht dienen, der begeht selbst einen Akt des Unglaubens. Ich weigere mich, das zu akzeptieren, weil jeder Mensch das Recht haben muß, sich zu informieren, auch die Dinge zu erfahren, die gegen den Glauben sprechen. Laßt ihn dann selbst entscheiden, ob er stur dabei bleibt, oder ob er mutig genug ist, einen Neuanfang zu wagen. Die Kirche muß sich rechtfertigen, wenn man Fehler im Evangelium entdecken kann und nicht derjenige, der sie entdeckt hat.

Ich möchte noch auf die Art und Weise, wie man angeblich ein Zeugnis von der Wahrheit der Kirche bekommt, zu sprechen kommen.

Es heißt, man solle das Buch Mormon lesen, und dann ehrlichen Herzens fragen. Sehr praktisch ausgedrückt, dann hat man direkt den Schwarzen Peter abgeschoben, wenn der Fragende keine Antwort erhält, dann ist er nämlich unehrlich, sonst hätte er ja die richtige Antwort bekommen. Auch hier wird sofort das Opfer als schuldig hingestellt; Opfer, weil ich meine, daß es etliche gibt, die sich wirklich um ein Zeugnis und eine Antwort von Gott abmühen und nie ein "Brennen im Herzen" verspürt haben. Zusätzlich zu ihrer Trauer, daß sie es anscheinend nicht wert sind, eine Antwort von Gott zu bekommen, wird ihnen nun auch noch ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Dies ist eine gängige Methode, die alle Sekten anwenden, um ihre Anhänger abhängig zu machen.

Ferner heißt es, man solle sein Zeugnis geben, um es zu stärken. Wenn ich mein Zeugnis immer wieder gebe, erhalte ich von Gott die Segnung, daß es wächst und ich stärker im Glauben werde. Rein psychologisch geht folgendes in uns vor. Wenn wir sagen, daß wir wissen, daß etwas wahr ist, von dem wir aber nicht wissen, daß es stimmt, dann haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir ehrlich sein möchten. Wenn ein kleines Kind Zeugnis gibt, so weiß es nichts von Gott, außer das, was die Eltern ihm erzählen. Wenn es aber schon sehr früh und oft sagen muß, daß es an die Wahrheit der Kirche glaubt, redet sich das Kind somit ein, daß es die Wahrheit sagt. Das Gehirn entwickelt einen Schutzmechanismus, damit es den Schmerz des schlechten Gewissens nicht mehr spürt. Und irgendwann ist es tatsächlich von dem überzeugt, was es sagt. Zudem kommt noch, daß man ja gerne glaubt. Es ist eine schöne Vorstellung, weiter zu leben. Folglich möchte man auch, daß es wahr ist. Man entwickelt ein Zeugnis. So entwickeln alle Gläubigen jeder Glaubensgemeinschaft ein Zeugnis. Ganz ohne die Hilfe des Heiligen Geistes.


Was Joseph Smith über den Zehnten sagte und weitere Änderungen der Kirchenlehre seit Smith (neue Offenbarungen oder zweckmäßige Eingriffe in Gottes Angelegenheiten?)

Joseph Smith sagte über den Zehnten, er stehe den Armen und Bedürftigen zu. (siehe Lehren des Propheten Joseph Smith). Für Joseph Smith war es ganz klar, daß der Zehnten die Armenkasse der Mormonen sein sollte. Auch Christus hat niemals verlangt, daß man ihm alles Geld gäbe, sondern er sagte "Gebt es den Armen". Nun braucht niemand zu betonen, daß der Zehnten heute alles andere als eine Armenkasse darstellt. Die Kirche hält zusätzlich wann immer sie "großzügig" spenden will, nochmal die Hand auf, um bei den Mitgliedern zu sammeln. Auch muß die Gemeinde selbst einen Großteil der Kosten übernehmen, die der Bau eines Gemeindehauses kostet. Ich weiß noch genau, wie ständig um Unterstützung und Spenden gebeten wurde, als der Tempel in Frankfurt gebaut wurde. Es wurde oft genug stolz verkündet, wer wieviel gespendet hatte.

Natürlich weiß ich jetzt schon, was ein überzeugter Mormone mir nun antworten muß. Aber ich bin nicht blöd, ich kenne mich auch in der Kirchengeschichte genug aus, um zu wissen, daß das Gesetz des Zehnten erst mit Lorenzo Snow eingeführt wurde. Merkwürdig bleibt allerdings immernoch die Tatsache, daß Joseph Smith den Zehnten überhaupt erwähnt und seine Bedeutung ausgelegt hat. Jeder, der jetzt meint, das sei ja nur persönliche Meinung gewesen, dem muß ich entgegnen: Ließ es im "Lehren des Propheten Joseph Smith" nach. Ließ es nach und sage mir dann, ob es sich tatsächlich nach eigener Meinung und Gutdünken anhört wenn er sagt:"So spricht der Herr."

Dies bringt uns in ein wirkliches Dilemma. Will man Joseph Smith, "dem bedeutendsten und größten Menschen aller Zeiten, Christus ausgenommen" glauben, so verstehen die heutigen Kirchenführer da etwas falsch, oder interpretieren es zu ihren Gunsten (ich werde später genauer darauf eingehen). Glaubt man dem Propheten nicht, so gehe ich davon aus, daß ihr mir zustimmt, daß Joseph Smith anscheinend nicht der Mann war, den die Kirche so gerne darstellt: ein Mann, in ständigem Kontakt zu Gott, der noch die Macht hatte, Gesetze und Gebote direkt von Gott von Angesicht zu Angesicht zu empfangen. So oder so, mit der Kirche stimmt etwas nicht.

Was die Missionare weiterhin auf Geheiß der Kirchenführer verheimlichen ist, daß wir sehr wohl Führer in der Kirche haben, die Gehälter und Geldzuwendungen seitens der Kirche erhalten. Wir prahlen immer damit, daß wir nur ehrenamtliche Führer hätten. Alles Lüge! Ja, der kleine Bischof, der kleine Pfahlpräsident mag ja noch sein Leben selbst bestreiten, aber sobald es um richtige Macht geht, sobald man es einmal "geschafft" hat, in die eigentlich bedeutenden Hierarchien aufzusteigen, unterscheidet sich die Kirche und deren Führer um nichts vom Papst, was Reichtum und Geldzuwendungen betrifft.

Immer schon wunderte es mich, daß nur reiche Männer in die wirklich hohen Posten aufsteigen. Ich rede von hohen Posten. Posten, wie Rat der Siebzig, Rat der Zwölf und Präsidentschaft der Kirche. Wer schon einmal in Utah war, weiß wovon ich spreche, wenn ich hier einmal einen Vergleich zu "Vom Winde Verweht" heranziehe. Villen, wovon der kleine Mann nicht einmal träumen kann, weil er dergleichen nie sah, und immer wohnt dort einer der wirklich Mächtigen der Kirche.

Wenn man seine Kritik hinsichtlich der ständig reichen Kirchenführung anbringt, heißt es immer wörtlich:"Die müssen ja reich sein, weil sie keine Zeit für einen Beruf haben, weil sie ständig umherreisen und kein Geld mehr verdienen. Und da sie kein Geld von der Kirche bekommen, müssen sie es sich ja leisten können, die Flüge usw zu bezahlen." Basta. Und schon ist der einfache Mormone wieder zufrieden und steckt das Thema in die Schublade namens "erledigt".

Ich will euch sagen, daß meine Schublade wieder aufsprang, mir buchstäblich entgegenflog, als ich mit einem Mann sprach, der mir die Zweifel in dieser Hinsicht nehmen wollte und sagte, er habe selbst gehört, wie ein Apostel in einer Versammlung ganz stolz verkündete, er würde all seine Reisen selbst bezahlen, auch wenn ihm von Rechts wegen zustände, alles auf Rechnung der Kirche unter "Spesen" einzureichen.

Ich bohrte daraufhin ein wenig nach, und siehe da, es stellte sich heraus, daß alle, die Vollzeit für die Kirche arbeiten, freie Kost und Logis genießen. Sie fahren Firmenwagen, fliegen immer Buissness class, steigen in (mindestens) 4 Sterne Hotels ab und nehmen dort die Luxus (King) suite. Alles auf Zehntengeldern. Und selbst wenn einige von ihnen es ablehnen, sich diesen Luxus von der Kirche bezahlen zu lassen, allein die Tatsache, daß man ihnen ein solches Angebot macht, OBWOHL sie ALLE reich sind, finde ich schlicht und einfach erbärmlich.

Wenn ich mir vorstelle, daß viele Mitglieder der Kirche Schulden machen, um den ehrlichen Zehnten zahlen zu können, derer gibt es genug, und dann diesen Luxus im Südstaatenstil sehe, als ob die Männer Gottes nicht auch in einem normalen Haus wohnen könnten, kommen mir die Tränen.

Diese Männer sind reich. Sie besitzen Firmen und Aktien. Sie brauchen gar nicht mehr arbeiten, um Geld zu verdienen. Dort oben arbeitet das Geld von alleine. Und sie haben es weiß Gott nicht nötig, sich irgendetwas von der Kirche bzw. armen Gläubigen bezahlen zu lassen. Meine Mutter war empört, als eine Versammlung veranstaltet wurde, wo ein Apostel mit seiner Frau Ansprachen halten sollte. Die Mitglieder der Kirche spendeten die allerfeinsten Leckereien, um ein wunderschönes Buffet zu zaubern. Es durften nur diejenigen davon essen, die mit eben diesem Apostel gekommen waren. Die Mitglieder selbst mußten hungern. Erzählt mir was von Nächstenliebe!

Ach ja - wußtet Ihr, daß die Kirche ZUVIEL Geld hat, anstatt zuwenig, wie sie uns jetzt schon wieder versucht, weißzumachen? Oder wie könnte sich sonst erklären lassen, daß die Kirche überschüssiges Geld in Aktien anlegt. Aktien wie Coca Cola, Colt und dergleichen, wo doch eigentlich diese Firmen einen denkbar schlechten Ruf in der Kirche haben...

Wenn es darum geht, Großzügigkeit zu zeigen, etwas in Namen der Kirche zu spenden, dann hält die Kirche nochmal extra die Hand auf. Dann wird gesammelt und stolz verkündet, daß wieder einmal 20.000 Mark zusammengekommen sind, um diese den Hungernden in der Welt zu spenden. Diese Summe verpraßt ein reisender Apostel doch innerhalb weniger Tage! Der Bau von Gemeindehäusern wird mit zusätzlichen Spenden finanziert, ebenso der Bau von Tempeln. Der Zehnte macht ja nur einen Teil der Summe aus, der Rest muß von den Nutznießern selbst gezahlt werden. Ich denke, dies reicht, um so manchen zum Denken zu bringen.


Was Christus über die Eheschließung sagte und was die Kirche daraus gemacht hat

Die Geschichten in der Bibel werden von den meisten Menschen symbolisch gesehen und sind auch meist so hanebüchen, daß man sie auch gar nicht anders deuten kann. Erst die Mormonen nehmen die Geschichten in der Bibel wortwörtlich. Ein nettes Beispiel hierfür ist die Geschichte des Turmbaus zu Babel. Liest man diese Geschichte mal in der Bibel nach, so liest sie sich wie eine Geschichte, die man einem neugierigen Kind vor dem Einschlafen vorliest. Die Menschen haben damals einen sehr hohen Turm gebaut, um Gott zu suchen. Sie wollten sehen, ob sie ihn nicht durch eben diesen (Holz-!) Turm finden könnten. Daraufhin verfluchte er sein Volk, weil sie so anmaßend und stolz waren.Heute baut man Wolkenkratzer, landet gar auf dem Mond, und niemand verflucht uns. Daraufhin habe ich von einem Mormonen gehört:"es kommt auch auf die Motivation an. Die Menschen heute wollen ja nicht Gott finden." Nein?! Aber ich weiß, daß die ersten Menschen auf dem Mond sagten:"Schaut her, wir können alles sehen, hier gibt es keinen Gott." Wenn das mal keine Gotteslästerung ist...

Eine weitere nette Geschichte ist die Sache mit der Sintflut. Angeblich wurde die gesamte Erde überschwemmt und nur die Familie Noahs und die Tiere überlebten auf altbekannte Weise. Nun hat man ja auf dem Australischen Kontinent ganz andere Tiere als überall auf der Welt. Und man kann Knochen von eben diesen Beuteltieren finden, die vor Noah gelebt haben. Sind diese Tiere den ganzen Weg nach Afrika geschwommen, um in der Arche aufgenommen zu werden, und hernach wieder den ganzen Weg zurück, damit die sich auch ja nicht woanders vermehren? Warum brauchten sie dann die Arche, wenn sie so gut schwimmen konnten?!

Joseph Smith gab der ganzen Arche Noah Geschichte durch die Köstliche Perle eine ganz persönliche Note. Laut dieser Heiligen Schrift gebar eine der Töchter Noahs nach der Sintflut (Nachdem alle Menschen ausgerottet waren) einen Sohn namens Pharao und dieser gründete dann das Volk der Ägypter. Nur waren leider zu diesem Zeitpunkt die Ägypter rege damit beschäftigt, ihre Chronik zu schreiben, und hatten keine Ahnung von Noah oder einer riesigen Sintflut. Die Chronik ist völlig lückenlos und berichtet von Kriegen, die in jener Zeit stattgefunden haben sollen.

Wie gesagt, man könnte vieles aus der Bibel interpretieren, wenn die Offenbahrungen unserer Kirchenführer diese Geschichten nicht wortwörtlich als Teile der menschlichen Historie festnageln würden. Die Kirche sieht sich hier immer mehr Problemen gegenüber, weil die Geschichte immer mehr Offenbahrungen ihrer früheren Propheten widerlegt. Alles, was man bisher nachprüfen konnte, stimmt nicht. Die Kirchenführer heute fallen wahrscheinlich jeden Abend auf die Knie und danken Gott, daß Joseph Smith keine Goldenen Platten hinterließ!

Christus wurde einmal folgendes gefragt: Wenn eine Frau zur Witwe wird und ihren Schwager heiratet usw. Wessen Frau wird sie dann nach der Auferstehung sein?(Lukas 20:33ff) Christus antwortete:"Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und der Auferstehung teil zu haben werden dann nicht mehr heiraten." Diese Aussage findet man in allen Evangelien unter dem Titel: Die Frage nach der Auferstehung. Immer wieder sagt Christus dort, daß die Menschen nur in diesem Leben heiraten und danach sein werden wie die Engel im Himmel, also ehelos. Was unsere Kirche daraus gemacht hat, wißt ihr selbst. Und ganz ehrlich, wenn das Heirate so wichtig für die Erlösung wäre, hätte Christus dann nicht seinen Jüngern davon gesagt? Wie hätte bei dieser essentiellen Wichtigkeit ein Gesetz wie das Zölibat entstehen können? Wie hätte sich Paulus, der doch die Lehre Christi kannte, sich dazu hinreißen lassen können, einen derartigen Ratschlag zu geben?! Ehe ist doch etwas schönes, wenn es dazu auch noch notwendig ist, um in den Höchsten Grad des celestialen Reiches zu kommen, meint ihr nicht, daß Christus auch nur ein Wort davon gesagt hätte, in all den Jahren der Belehrung?!


Die Mitglieder der Kirche

Betrug findet auf allen Ebenen in der Kirche statt. Es fängt schon mit dem kleinen Satz an, den man so oft schon gehört, gar selber benutzt hat:

"Sag das aber ja nicht dem ... , dann würde er sich bestimmt nicht mehr taufen lassen!"

oder: "Das darf man aber keinem erzählen, wer weiß, wie stark das Zeugnis des anderen wirklich ist."

Ich weiß nicht warum, aber die Mitglieder der Kirche betrügen und lügen, nur um die Kirche zu schützen. Ich kann mir nur denken, daß die Vorstellung, daß ihre Lebensphilosophie falsch sein könnte für die meisten Menschen so schmerzlich ist, daß sie alles tun würden, um den Glauben daran aufrechtzuerhalten.

Jeder gibt sich mit dummen Standard-Antworten zufrieden, die man bei näherer, tieferer Betrachtung und Nachforschung absurd finden muß. Zum Beispiel die Frage, warum die Tempelzeremonien bei uns den Riten der Freimaurer so ähnlich sind.

Die Antwort lautet normalerweise: Die Freimaurer gehen bis zur Erbauung des Tempels Salomo zurück. Hast Du je nachgeprüft, ob das stimmt? Die Freimaurer entstanden erst NACH der Geburt Christi!

Jeder, der tiefer nachdenkt und unangenehme Fragen stellt, bekommt den Ratschlag:

"Besinn und konzentriere dich auf das Wesentliche: den Glauben an Gott und Christus. etc."

Warum soll ich dann Mormone sein? Über 2000 Kirchen konzentrieren sich auf diese wesentlichen Punkte. Wer ehrlich ist, muß doch zugeben, daß der einzige Grund, die einzige Motivation, Mormone zu sein und zur Kirche zugehen, die ist, daß man an das Evangelium glaubt!

Als wir zum Bischof gingen, und ihm all die Punkte unserer Zweifel darlegten, berichteten wir auch von Erlebnissen, die wir hatten und die so einfach nicht in das Weltbild eines guten Mormonen passen konnten. Was machte der Bischof nun mit diesen Berichten? Er verdrehte sie in unserer Anwesenheit so lange, bis er wieder damit leben konnte. Doch die Version, die er nachher im Kopf hatte, war eine völlig andere als die, die wir erklärt und selbst erlebt hatten! Nachdem wir dreimal versucht hatten, ihm zu erklären, daß es eben genau so und nicht anders (nicht so, wie er es gerne sehen würde) passiert war, sagte es nur noch: "Das sind Fälle, wo ich immer hingehe und sie in eine Schublade stecke. Nach einiger Zeit sehe ich nach, ob sich irgendetwas getan hat, und wenn nicht, dann stecke ich den Fall wieder in die Schublade." Ich für meinen Teil habe mittlerweile so vollgestopfte Schubladen, daß sie gar nicht mehr zugehen wollen, nein, ich muß nicht erst hinsehen, um zu merken, daß sich nichts getan hat. Meine Schubladen platzen aus allen Nähten und springen von selbst wieder auf. (Stelle es Dir bitte einmal bildlich vor!) Dann stehe ich vor dem ganzen Chaos und schlage die Hände über den Kopf zusammen und weiß - jetzt läßt es sich einfach nicht umgehen.


Nächstenliebe, Liebe und die Mission der Kirche

Ich habe einmal mit einem ehemaligen Neuapostolen über diese Themen gesprochen, gerade auch in Bezug auf meine Familie und er sagte:"Es hat keinen Sinn, mit diesen Menschen über Glaubensfragen zu diskutieren. Ich habe festgestellt, daß es etwas gibt, was die Menschen wirklich zum Denken bringt: Das Gefühl. Sprich sie auf das Gefühl an. Frag sie: Liebst Du mich? Was fühlst du noch für mich? Was bedeute ich dir?"

Im ersten Augenblick, muß ich gestehen, dachte ich, was soll das? Was hat denn das nun mit der Kirche zu tun? Aber tagelang, ja wochenlang ging mir dieser Ausspruch nicht mehr aus dem Sinn. Und plötzlich begriff ich, was er meinte:

Die Mormonen sind erkaltet. Sie haben ein verkehrtes Bild von Nächstenliebe und Liebe. Sie definieren die Liebe immer nur in Zusammenhang mit dem Ziel der Kirche: Neue Mitglieder zu werben und bestehende Mitglieder in ihrem Glauben zu stärken.

Was sind die drei Missionen der Kirche?

1. Die Heiligen vervollkommnen

2. Das Evangelium verkünden

3. Die Toten erlösen (reine Beschäftigungstherapie)

Liebe und Nächstenliebe definiert sich bei den Mormonen wie folgt:

Liebst Du deinen Nachbarn, so versuche, ihn mit Missionaren in Kontakt zu bringen.

Liebst Du Dein Kind, dann sorge dafür, daß es gläubig aufwächst

Liebst Du Dein Kind, dann möchtest Du mit ihm in alle Ewigkeit beisammen sein; also wieder: sorge dafür, daß es bei der Stange bleibt.

Du mußt Deine Familie lieben, weil ihr ja auch nach diesem Leben beisammen sein werden/wollt. (wieder Ziel-bleibt in der Kirche!)

Wer seine Tochter liebt, der wünscht sie sich eher tot als entjungfert.

Wer seine Freunde liebt, will das Evangelium mit ihnen teilen.

Niemals ein Nichtmitglied heiraten, den kannst du ja nach dem Tod nicht bei Dir haben. Wenn Du dich schon in ein Nichtmitglied verliebst, dann bring ihn zur Kirche. (Fazit:ein Bekehrter mehr, der Zehnten zahlt)

etc. etc. etc.

Die Emotionen der Mitglieder sind auf ein einziges Ziel geeicht: Sich selbst, seine Familie und sein Leben der Kirche zu unterwerfen. Und das paradoxe oder sagen wir verheerende daran ist, daß die Mitglieder es gar nicht merken.


Die Mormonen und das Bild eines liebenden Vaters

Ein Vater hat einige Millionen in seinem Leben herangeschafft und könnte all seinen Kindern gleich viel vermachen. Alle seine Kinder lieben ihn und versuchen, ihm alles recht zu machen. Als er stirbt, schreibt er in seinem Testament:Alle, bis auf ein Kind kriegen den gleichen Teil ab. Eines der Kinder aber bekommt nichts. Es ist der einzige, der nicht den Beruf erlernt hat, den der Vater einst ergriffen hat. Ist das nun ein liebender Vater? Jeder würde sagen: Der Sohn hat doch nur das getan, was er für sich am Besten hielt. Er hatte doch die freie Wahl. Oder nicht? Warum ihm erst die Entscheidung überlassen, ihn aber hernach strafen?! Was für ein Tyrann!

Ich war vor kurzem wieder einmal in einer Versammlung der Kirche. Das Thema war die Vorherordinierung. Aber das spielt hier keine Rolle. Wichtig ist, was die Mitglieder dort geäußert haben. Ich erinnere mich, daß darüber gesprochen wurde, wie ungerecht Satans Plan der Erlösung sei. Satan wollte alle Menschen zu Gott zurrückbringen, ausnahmslos und keine Seele sollte verloren gehen. Es wurde gesagt, das sei ja ganz schrecklich, denn wir hätten ja so keine Entscheidungsfreiheit. Da frage ich mich, warum. Warum kann es keine Entscheidungsfreiheit geben? Warum kann Gott als liebender Vater nicht einfach nur verzeihen, egal was passiert ist?

Auf die Frage warum Gott soviele Unschuldige sterben und leiden ließe, wurde das Buch Mormon zitiert, worin steht, daß die Unschuldigen leiden müssen, damit die Bösen gerichtet werden können. Und hernach ergaben sich viele der Mitglieder in Lobesarien, wie liebevoll und gerecht Gottes Plan der Erlösung sei, weil er uns den freien Willen ließ, und uns nicht einfach mir nichts dir nichts in den Himmel aufnimmt, sondern gemäß unseren Werken und Gedanken richtet.

Wie egoistisch von denen, die sich an die Gebote halten, daß sie nur den Tüchtigen die Liebe Gottes zugestehen. Eigentlich wird diese Lehre schon durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn widerlegt. Aber kein Mormone schien sich dessen bewußt zu sein, was Christus mit diesem Gleichnis eigentlich sagen wollte.

Der Gott der Mormonen gleicht mehr einem Richter denn einem gerechten und liebevollen Vater. Und leider spiegelt sich das Verständnis und Bild von liebenden Eltern, die ihre Kinder richten und bestrafen nur allzu deutlich in den Familien wider. Oftmals findet man den Ausspruch, daß man sich die Liebe verdienen muß. Und wo dieser Satz geleugnet wird, so wird dennoch nach diesem Prinzip gehandelt und empfunden.

Es schlägt sich zum Beispiel in der Ansicht nieder, daß die Schwarzen, die ja bekanntlich diejenigen auf der Welt sind, die am ärmsten dran sind, ihren Zustand verdient hätten, da sie laut Kirchenlehre Nachkommen Kains sind.

Mir wurde auf einmal bewußt, wie sehr sich mittlerweile mein Bild der Liebe verändert hat. Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern. Meine Kinder müssen sich meine Liebe nicht durch Gehorsam oder sonst etwas verdienen. Ich weiß, daß ich sie liebe und nicht, weil sie mir ähnlich und gehorsam sind, sondern einfach, weil sie meine Kinder sind. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß ein liebender Vater Bedingungen an seine Kinder stellt, ein liebender Vater würde alle seine Kinder bei sich haben wollen.

Zudem: Uns wird gesagt, wenn wir unsere Kinder nicht bis zum 8. Lebensjahr dazu erzogen haben, daß sie die Gebote befolgen, dann lasten diese Sünden auf uns. Zur Hölle mit Gott, denn er hatte eine Ewigkeit Zeit, seine Geistkinder zu erziehen und dennoch haben sich ein Drittel seiner Geistkinder für Satan und gegen ihn entschieden! Und der Rest, der auf Erden wandelt hält sich auch nicht an sein Gesetz. Er hat ziemlich versagt, wenn man mich fragt.


Die Schwarzen und das Priestertum und andere moderne Abänderungen des Evangeliums

Zur Zeit Joseph Smiths hatten die Schwarzen das Priestertum. Merkwürdigerweise wurde es ihnen durch seine Nachfolger verweigert, in einer Zeit, da es für jeden Weißen,der etwas auf sich hielt, "in" war, Schwarze zu diskriminieren. Jeder, der nur ein wenig Einblick in die Akten der Kirchenverwaltung hat, weiß, daß es insgesamt drei Anläufe von verschiedenen Propheten der Kirche gab, um den Schwarzen das Priestertum wieder zu gewähren.

Das erste Mal machte ein Prophet, Seher, Offenbarer und Präsident der Kirche den Versuch, indem er seine Apostel fragte, ob es nicht an der Zeit wäre, den Schwarzen das Priestertum zu geben. Der Antrag wurde zwei mal (innerhalb vieler Jahre) abgelehnt. Erst als sich die Schwarzen ihre Politischen Rechte erkämpften, und nachdem eigentlich jeder einflußreiche Amerikaner sich dem Willen der Massen beugte, gab es dann endlich die sensationelle "amtliche Erklärung". Seit wann muß ein Prophet die Apostel fragen und abstimmen lassen, ob Seelen errettet werden dürfen, wenn es Gott offenbart? Wußte Gott nicht, wann seine Kinder so weit waren, sich einer solchen Sache anzunehmen?

Die Vielehe. Wußtet Ihr, daß die Vielehe just in dem Moment von Gott offenbart wurde, nachdem Emma Smith ihren Mann beim Ehebruch mit Fanny Alger erwischt hatte?!

Wußtet ihr, daß sie just in dem Moment von Gott wieder verboten wurde, als sich die Vereinigten Staaten weigerte, Utah als Mitgliedsstaat aufzunehmen, eben aus diesem Grund?

Die Kirchengeschichte ist voll von solchen willkürlichen und äußerst praktischen aber auch verräterischen Zwischenfällen. Wer Ohren hat, der höre, wer Augen hat, der lese und wer ehrlich ist, und über ein Gehirn verfügt, der denke darüber nach.


Ich bin froh, draußen zu sein!

Wie oft ich schon gehört habe, daß wenn man einmal zuläßt, daß einen die Gegenseite seinen Glauben beeinträchtigt, daß man dann immer mehr Fehler findet. Das muß man mir nicht sagen. Es ist ganz logisch. Ich weiß, daß ich mit der Zeit immer mehr Fehler ausgraben werde. Und es schockiert mich immer wieder, daß da noch mehr ist, was vertuscht, verheimlicht und abgestritten wird. Wenn es keine Fehler gäbe, könnte ich keine finden.

Meinem Mann und mir ist gesagt worden:"Ihr seid zu ehrlich für die Kirche. Ihr könnt euch nicht selbst belügen." Nein, das kann ich nicht. Ich kann gewonnene Erkenntnisse nicht beiseite schieben und vergessen. Wenn ich nicht nachdenken, fragen und nachforschen dürfte, wäre ich tot! Und mit den angeblich immer neu gewonnen Erkenntnissen, die man aus dem Futter, was einem von den Kirchenführern gereicht wird zieht, ist es so wie mit den Kaisers neuen Kleidern. Niemand will zugeben, daß er eigentlich darauf wartet, mal irgendwann etwas neues zu hören. Es muß ja keine neue Offenbarung sein, einfach nicht immer nur der gleiche Fraß. Wenn ich heute in einer Versammlung der Kirche sitze, wundere ich mich, wie geistige Elefanten sich mit den wenigen Grashalmen zufriedengeben können, die dargeboten werden. Aber wahrscheinlich sind die geistigen Elefanten verhungert, noch ehe sie gemerkt haben, daß jemand versuchte, sie zu füttern.

Ich bin froh, daß ich nicht verhungern muß. Mir kann keiner mehr verbieten, Dinge erfahren und denken zu wollen. Ich brauche kein schlechtes Gewissen haben, daß ich diesen "Dreck" ausgegraben habe. Ich schäme mich nicht, weiter nachgedacht zu haben, meinem Intellekt zu frönen und mich auf meine eigene Urteilskraft verlassen zu haben.

Mein Mann und ich sind einer Selbsthilfegruppe für Sektengeschädigte beigetreten. Diese Gruppe hat mir sehr dabei geholfen, zu verstehen, warum ich so lange brauchte, um die Wahrheit zu erkennen. Im Grunde unterscheidet sich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage nicht von anderen extremen Gruppierungen religiöser Art.


Alle Sekten haben folgendes gemeinsam:

1. Sie machen, daß man sich gut fühlt (Du bist eine Tochter Gottes. Du bist ein großer Geist, weil Du in der letzten Zeit geboren wurdest. Sicher hast Du es Dir im Voririschen Leben verdient, das Evangelium zu kennen etc.)

2. Sie behaupten, das einzig wahre Evangelium zu kennen.

3. Sie behaupten, durch intensives, ehrliches Beten könne man von Gott die Bestätigung der Wahrheit der Religion erlangen.

4. Sie spannen dich ein. Man hat kaum Zeit für etwas anderes, als Kirche.

5. Religion wird zum Lebensinhalt und Lebensstil.

6. Sie auferlegen so viele Pflichten, daß man immer eine passende Ausrede hat, warum Gott einen nicht segnet. ("Vielleicht hätte ich ja doch mehr in den Schriften lesen sollen oder noch ein längeres Tischgebet sprechen sollen?")

7. Sie haben eine verkehrte Definition von Nächstenliebe. Liebe wird mit dem Ziel der Kirche in Einklang gebracht. (Wenn Du Deinen Mann liebst, willst du, daß er sich taufen läßt; wenn er dich wirklich liebt, läßt er sich für dich taufen. wenn Du die Vorfahren liebst, dann machst du Genealogie für sie. wenn du deine Freunde liebst, versuchst du sie, zur Kirche zu bringen...)

8. Dies Erdenleben wird unwichtig angesichts der Ewigkeit. Man verliert den Blick für das Wesentliche: Wenn jemand in der Schule gehänselt wird, greifen die Eltern evtl. nicht ein, sondern sagen: Gott wird sie strafen.

9. Über Abtrünnige wird der Stab gebrochen. Spekulationen über die Gründe werden angestellt, obwohl die wahren Motive bekannt sind; ich habe bis zu meinem Austritt immer nur von Abgefallenen gehört, sie seien sündig geworden (Ehebruch, Verstoß gegen das Wort der Weisheit usw.) und wollten nicht umkehren. Oder sie hätten keine Lust, sich an die Gebote zu halten. Oder jemand hätte sie beleidigt. Im allgemeinen gibt man sich mit diesen Aussagen zufrieden und hakt nicht selber nach.

10. Die meisten Mitglieder haben Angst, die Kirche zu verlassen. Alle autoritären Organisationen setzen auf die Angst ihrer Mitglieder, indem sie ihnen schreckliche Dinge prophezeien, falls sie austreten. Mir hat man gesagt:"Du wirst geschieden, du kannst deine Kinder nicht mehr erziehen, du wirst krank werden, du wirst im Beruf keinen Erfolg mehr haben usw.." Eigentlich ist das Leben draußen besser, als ich erwartet habe. (Und jetzt möchte ich nicht schon wieder "Siehste, also doch!" hören.) Ich wünschte nur, ich hätte die Wahrheit früher erkannt.

Es dauert lange, bis man sich vom Mormonismus erholt hat. Man hat viele verschiedene Gefühle, die sofort auftauchen, wenn man erkennt, was geschehen ist und man lernt, wie die Kirche, genau wie andere Gruppen, die betrügen und manipulieren, einen sein ganzes Leben lang betrogen hat. Bitterkeit und Ärger sind normal, obwohl ich dagegen ankämpfe, daß diese Gefühle und Depressionen mein Leben dominieren. Mein Leben hat sich drastisch verbessert, obwohl ich oftmals noch einen tiefen Schmerz empfinde, wenn ich über alles nachdenke.

Es tut weh, zu sehen, daß die, die ich liebe, betrogen werden und wie man sie manipuliert. Wie man sie dazu gebracht hat, über Jahre hinweg ein Bild zu entwickeln, so daß sie nun schlecht von mir denken müssen und auf mich herabsehen, nur weil man sie zu elitären Menschen gemacht hat, die meinen, sie allein wüßten die Wahrheit, daß sie mich nun verurteilen, weil ich es mir erlaubt habe, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und sie nicht zu leugnen, das sind Schmerzen, wie ich sie mir nie hätte träumen lassen. Aber neben all dem gibt es doch einige positive Aspekte, die ich mit herausgenommen habe, und die ich mit allen anderen, die aus Glaubensgründen ihre Kirche verlassen haben, teile:

1. Man merkt sofort einen Verlust an Arroganz und man fühlt sich den anderen Menschen plötzlich viel verbundener, auch wenn man sich nie als etwas Besseres gesehen hat, bzw. es sich nicht eingestehen wollte.

2. Ich weiß, daß ich genau wie der Rest der Welt bin, und daß ich für sie verantwortlich bin. Nicht, sie zu zahlenden Mitgliedern der Kirche zu machen, sondern verantwortlich dafür, daß sie ein würdiges und zufriedenes Leben führen können.

3. Ich habe erkannt, daß es noch so viel zu entdecken gibt, und ich muß es nicht ständig sortieren, ob es zu meinen Glauben paßt oder nicht. Es ist aufregend neue Dinge zu lernen, wenn man "open minded" ist.

4. Es ist herrlich frei von den ständig auferlegten Schuldgefühlen zu sein. (Eigentlich müßte ich ja noch in der Schrift lesen, aber ich bin ja so müde... Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit, heute Abend fern zu sehen, wann soll ich denn all die Besuchslehrarbeit tun?!)

5. Ich weiß, ich bin für mich selbst verantwortlich und ich liebe meine Kinder und die Menschen um mich, ohne daß man mir ständig sagt, daß ich es tun soll.

6. Ich beginne, meiner eigenen Intuition zu vertrauen, ohne ständig auf die Hilfe eines Gottes zu hoffen. (Oftmals erwische ich mich noch dabei, wie ich denke:Ach, könntest du doch jetzt beten, dann würdest du den Schlüssel vielleicht eher finden. Doch wenn ich dann in mich gehe und mich konzentriere, fällt mir schnell wieder ein, wo der Schlüssel ist, ganz ohne Gebet)

7. Ich habe herausgefunden, daß ich auch ohne eine Organisation wertvoll bin, mein Wert definiert sich nicht mehr anhand der Regeln, die einer Gruppe auferlegt wurden.

Ich werde diese Liste fortsetzen und in Kontakt mit anderen "Abgefallenen" treten. Ich werde weitere Informationen sammeln und sie in einer deutschen Seite im Internet veröffentlichen. Jeder, der ähnliches erlebt hat, wird mir von seinen Erlebnissen schildern können und mir vielleicht auch neue Erkenntnisse bringen.


Die Reaktion der Mormonen auf unseren Austritt

"Man, dann werdet ihr ja auch bald zu Arschlöchern, wie es mein Vater ist!" mußte sich eine Mormonin von ihrer "besten Freundin" sagen lassen, als bekannt wurde, daß sie und ihr Mann austreten möchten.

"Jetzt kannst Du deine Kinder nicht mehr erziehen." sagte mir meine Mutter.

"Hast Du keine Angst, daß Oliver Dich jetzt verläßt, wo er doch keinen Grund mehr hat, bei Dir zu bleiben?" sagte mir meine Schwiegermutter.

Als wir zu einer Tanzveranstaltung der Kirche gingen, sahen wir:

- eine Frau, die mir erst Monate zuvor weinend um den Hals gefallen war und erklärte:"Du bist die einzige Freundin, die ich habe und ich bin so glücklich. Das habe ich mir mein Leben lang gewünscht."

- etliche Ehepaare, die mit uns befreundet waren, denen wir nie ein böses Wort entgegenbrachten, mit denen wir viele nette Stunden verbracht hatten...

- die Jungen Damen, die ich monatelang betreut hatte

- etc.etc.etc.

KEINER dieser Leute hat uns auch nur begrüßt! Nur weil wir uns entschlossen hatten, nicht mehr in die Kirche zu gehen, nachdem feststand, daß das Evangelium nicht wahr ist.

Es war eine spürbare, offenkundige Feindschaft, die uns entgegenschlug, die mir fast den Atem raubte. Unsere Freunde, die nicht der Kirche angehören, die wir zum Tanzen mitgenommen hatten, fragten uns schon, ob wir überhaupt erkannt worden seien. Wir sind erkannt worden. An diesem Abend beschloß ich, nie wieder zu Tanzveranstaltungen der Kirche zu gehen, und sei es auch nur zum Tanzen. Ich hatte mich so gefreut, alte Bekannte wieder zu treffen, ich war offen für jegliche Zuwendung. Ich war bereit zu verzeihen, daß nicht ein einziger Anruf seit einem ganzen Jahr von meiner angeblich besten Freundin kam, seit ich ihr kurz erklärt hatte, warum ich nicht mehr zur Kirche ging. Ich hatte ihr gesagt, das dies nicht Gegenstand künftiger Gespräche sein würde, weil ich nämlich fürchtete, daß sie sich von uns abwenden würde.

Als ich meine einzige Freundin, die mir in der Kirche noch geblieben ist (die auch nicht mehr 100% aktiv ist,) fragte, was wohl der Grund für diese Anfeindung sei, und was man denn in der Gemeinde über mich und meinen Mann erzählt, sagte sie: "Ich habe nur gehört, daß Du einen Lover außerhalb der Kirche hast, und der hätte Dich aus der Kirche rausgeredet, und der Oliver schämt sich jetzt so sehr für Dich, daß er nicht mehr kommen will. Außerdem sagt man, daß Du Dich von Oliver scheiden lassen wolltest, und ihr deshalb nicht mehr zur Kirche kommt."

Ich war wirklich platt. Nichts von alledem stimmte. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, wie die Leute darauf kamen, daß ich, graue Maus, einen Liebhaber haben sollte! Sie mußten dies der Tatsache entnommen haben, daß ich mit samt meiner Tauchgruppe, die mit mir gleichzeitig den Tauchschein gemacht hatte, nach Mallorca flog, um dort meinen Tauchschein zu beenden. Als ich diese Reise ankündete und offenbar wurde, daß mein Mann nicht mitkam, merkte ich schon, wie die Leute merkwürdig darauf reagierten. Kurz nach der Ankündigung des Urlaubs wurde Oliver krank und wir konnten nicht mehr zur Kirche. Dann kam er ins Krankenhaus (in dieser Zeit konnte ich nicht allein in die Kirche, ich habe keinen Führerschein und niemand hatte Platz für mich und zwei kleine Kinder im Auto). Als er entlassen wurde, unterhielten wir uns über viele Punkte und entdeckten, daß die Kirche wahrscheinlich doch nicht so vollkommen ist, wie wir glaubten.

Als wir dann das erste Mal nach zwei Monaten wieder in die Kirche kamen, haben wir sofort mit dem Bischof geredet. Oh ja, ich kam mit Tränen in den Augen und total verheultem Gesicht aus dem Büro des Bischofs, weil für mich eine Welt zusammengebrochen war! Natürlich, man hat mich gesehen und daraus direkt geschlossen, daß ich soeben einen Ehebruch gestanden hatte. Logisch, man weint ja auch nur dann, wenn man sich schämt, oder wie war das gleich?!

Wir haben all unseren Verwandten und Freunden darüber reinen Wein eingeschenkt, wie es um unserem Glauben stand. Und was mich am meisten verletzt ist die Tatsache, daß nicht EINER versucht hat, das Gerücht und die Lügen zurechtzustellen und zu unterbinden, obwohl sie wußten, daß es nicht stimmte! Der Bischof selbst, der ja alles aus erster Hand wußte, bestritt, irgendeine Kenntnis von diesem Gerücht zu haben. Aber dennoch sagte er immer: Sie dürfen nicht über diese Menschen urteilen.

In meiner Heimatgemeinde Wetterau kursiert allerdings eine andere Version unseres Austrittes: Wir haben uns angeblich mit den Mitgliedern in Düsseldorf nicht verstanden und deshalb das Weite gesucht.

In Köln wollten wir den Zehnten nicht mehr zahlen und benutzen alle Argumente nur als Ausrede.

Meine Mutter ist davon überzeugt, daß der böse Oliver mich unter seiner Gewalt hat und mir die Kirche vorenthält. Sie meint, ich hätte gar nichts erkannt und würde meinem Mann, um des Friedens Willen nach dem Mund reden. Ihr wäre es nur recht, wenn ich mich scheiden lassen würde. Sie machte mir sogar schon das Angebot, in ihrem kleinen Häuschen zu wohnen, wenn ich geschieden wäre; dann stünde ich finanziell und überhaupt besser da.

Sie dulden keine wahrheitsliebenden, konsequenten Menschen unter sich. Man darf betrügen, ehebrechen und in jeglicher Hinsicht sündigen, Hauptsache man leugnet nicht die Wahrheit des Evangeliums, das habe ich in den letzten Jahren erkennen müssen.

Diese Reaktionen sind es, die mich zum "Feind der Kirche" gemacht haben. Wenn man immer wieder auf Lügen und Anklagen, Verurteilung und Vorurteile stößt, muß man irgendwann anfangen, gründlich aufzuräumen. Und heute sage ich: "Leute, wenn ihr zwei Männer in dunklen Anzügen mit einem Schildchen am Revers seht, macht einen riesen Bogen, verrammelt eure Türen und hängt das Telefon aus!" Ich würde mich auch auf den Tempelplatz in Salt Lake City stellen, wenn ich die Möglichkeit hätte.

Ich bin es leid, mich immer wieder zu rechtfertigen, wo es eigentlich an der Kirche ist, sich zu rechtfertigen!


Esther Jörns


Wir haben im Laufe der Zeit verschiedene weitere Artikel verfaßt:
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