Sind die Mormonen eine Sekte?

"Alleine kann ich den Austritt aus der "HLT"- Kirche nicht bewältigen" ......wie oft werden solche und ähnliche Aussagen von Mormonen belächelt! Von meiner mormonischen Familie bekomme ich dagegen zu hören, dass sie keinen einengenden Druck in der "HLT"-Kirche spüren und von wegen psychologische Aufarbeitung! Was ist Fakt?

Psychologische Aufarbeitung ist in den meisten Fällen erforderlich. Je früher man sich von den einengenden Einflüssen der "HLT"-Kirche löst, desto einfacher geht es. Ist man erst einmal 20 - 30 Jahre aktives Mitglied, dann verbindet man damit auch starke Emotionen und Erinnerungswerte, die bisher Halt und Sicherheit boten. Das sind Kraftquellen, die nicht plötzlich fehlen sollten!

Deshalb ist es wichtig sich Gedanken darüber zu machen, wie es nach dem Austritt aus der "HLT"- Kirche mit unseren Bedürfnissen weiter geht, die wir im Laufe der Jahre erworben haben. Wir müssen uns bewusst werden, welche Bedürfnisse uns am wichtigsten sind. Dabei kann es hilfreich sein gute Freunde mit einzubeziehen, oder den Mut zu haben, sich selbstkritisch in einer Selbsthilfegruppe zu erfahren - in einer Umgebung, in der man sich akzeptiert fühlt und vorurteilsfrei über seine Gefühle + Ängste reden kann.

Wenn Kinder durch einen Austritt aus der "HLT"-Kirche betroffen sind, sollte etwas gefunden werden, was ihre bisherigen Bedürfnisse und Talente unterstützt und ihrem seelisch-geistigen Gleichtgewicht zugute kommt.

Der Begriff "Sekte" kommt von "spalten" und bedeutet lt. Duden: "1. Kleinere, von einer christlichen Kirche od. einer anderen Hochreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. 2. philosophisch od. politlisch einseitig ausgerichtete Gruppe". Wörtlich genommen wäre also die Evangelische Kirche eine "Sekte" von der Katholischen Kirche.

Wenn allerdings der Volksmund von "Sekte" spricht, dann sind damit i.d R. Gemeinschaften unterschiedlichster Sinnfindung gemeint, die sich massiv einengend auf das Leben ihrer Mitglieder auswirken und emotionale Abhängigkeit erzeugen.

Neben den vielen Missverständnissen, die es in Bezug auf die Mormonen, ihrer Geschichte (z.B. der Vielehe) und ihren Abspaltungen gibt, zeichnet sich auch die "HLT"-Kirche mit insgesamt ca. 11 000 000 eingetragenen Mitgliedern im Volksmund als "Sekte" aus.

Engstirnige Strukturen, Lehren und Praktiken sind es, wodurch sich die Mormonen von den üblichen christlichen Gemeinschaften absondern. Diese Strukturen besitzen eine gewisse unbewusste "Eigendynamik". Es ist sogar anzunehmen, dass die meisten Mitglieder in den Führungspositionen der Kirche sich dieser "Gesichts-Züge" nicht bewusst sind. Sie sind Opfer ihrer Liebe zum Glauben und zur Kirche.

"Bedürfnis nach Transzendenz" - nach Masslow: "Es meint des Menschen Sehnsucht nach letzter Sinnfindung, nach religiösen, mystischen Werten, das Bedürfnis nach Verehrung von etwas, was jenseits seiner sinnlichen Wahrnehmung und Vorstellung steht. Damit übersteigt der Mensch die personale Ebene und vermag zu seinem Gott "Du" zu sagen: transpersonaler Bezug und Selbstranszendenz. Transzendenz ermöglicht die Teilnahme am Kosmos, am Göttlichen."

Hunger nach Selbstranszendenz, Sinnfindung, spitituellen Erfahrungen und nach Mystik finden wir heute überall wo wir hinschauen - das gehört zu unsereren wichtigsten Grundbedürfnissen. Die "HLT"-Kirche und auch viele andere, die Bibel dogmatisierenden oder moralisierenden Kirchen, missbrauchen diese Suche des Einzelnen nach Sinn und Wahrheit, nach Vollkommenheit, nach Selbstranszendenz, nach Selbstüberschreitungm, nach Mystik! Diesen Attributen wird ein enger Definitons,- und Bewegungsrahmen gesetzt. Ihr Wert wird entwertet!

"Alle lebendige Religion stellt eine Einheit von drei Elementen dar, die wir mit dem grossen katholischen Laientheologen Friedrich von Hügel (1852-1925) als das institutionelle, das intellektuelle und das mystische Element bezeichnen können. Die Vertreter aller drei Elemente haben die Tendenz, sich selbst absolut und die anderen als Nebensache herabzusetzten, aber lebendig bleibt Religion nur in einem Wechselspiel, das sich polarisierend, aber auch dialektisch vollziehen kann. Es ist das mystische Element, das mich nicht loslässt. Es ist, um es vorläufig einfach zu sagen, die Gottesliebe, die ich leben, verstehen und verbreiten will. Sie scheint mir in den beiden genannten Institutionen wenig gefragt; was innerhalb der evangelischen Theologie und Predigt abgekürzt "Evangelium" genannt wird, artikuliert bestenfalls, dass Gott uns liebt, beschützt, neu macht, errettet. Dass dieser Vorgang nur dann real erfahrbar ist, wenn diese Liebe, wie jede wirkliche Liebe, gegenseitig ist, ist selten zu hören. Dass Menschen Gott lieben, beschützen, neu machen und erretten, klingt den meisten grössenwahnsinnig oder gar verrückt. Es ist aber gerade diese Verrücktheit der Liebe, von der die Mystiker leben." Dorothee Sölle

"Bete, und der Hl.Geist wird Dir im Herzen bestätigen, dass es wahr ist". Das ist der Auftrag des Buches Mormon an die Untersucher der Kirche: Jeder muss selber herausfinden, ob die Kriche wahr ist oder nicht, wobei der "Haken" nicht darin liegt, dass man selber etwas tun muss, sondern darin, dass die Antwort schon vorweg genommen ist: "...und der Hl.Geist wird Dir bestätigen, dass es wahr ist!" Entweder ist alles richtig, oder alles falsch! Das ist die Sugesstion und Konsequenz. Der Untersucher ist nun genötigt, zwischen "Wahrheit" und "Unwahrheit" zu entscheiden. Entscheidet er sich dagegen, so bekommt er automatisch ein schlechtes Gewissen, denn er hat ja aus dem Wahrheitsblickwinkel der "HLT"-Kirche nicht auf den "Hl.Geist" gehört, sondern unterliegt den "Einflüsterungen des Teufels!" Er darf die "Wahrheit" auch nicht anders erkennen oder nur teilweise anerkennen! Wenn das Evangelium wahr ist, so ist auch die Kirche wahr!. Da werden zwei völlig verschiedene Dinge in einen Pott geschmissen: Persönliche mystische Erfahrungen + Erkennntisse kontra einer stark einengenden Definition solcher Empfindungen! In der "HLT"-auffassung gibt es nur eine einzige mysisch erfahrbare Wahrheit - die der " einzigst wahren, wiederhergestellten Urkirche".

Schon bei der "Bekehrung" kann die "Kompromissbildung" zwischen persönlichen Überzeugungen und der Lehre der Kirche beginnen. Es kann aber auch sein, dass ein Untersucher einfach seinem emotionalen "Wunschdenken" folgt - seiner Sehnsucht nach Vollkommenheit. Verbunden mit einem schlechten Gewissen, weil er ja nicht auf den Hl.Geist gehört hat, eine wirksame Kombination! Emotionale Beweggründe, persönlichkeits bezogene, wie auch sozial induzierte, in Verbindung mit der natürlichen Sehnsucht des Menschen nach einem vollkommenen Deutungsrahmen im Glauben sind es, die zu einer Mitgliedschaft führen können. Ein Sinn für Mystik, Schwärmerei und Träumerei macht den Untersucher zum Opfer seiner eigenen Schwäche. Er wird wohl kaum die vielen kleinen, sehr verdeckten Lügen und Fehler bemerken. Zugunsten seinem Bedürfnis nach Wahrheit und seiner Liebe zum Evangelium, - wie wir es aus der Bibel kennen, - wird er dieses in den Vordergund stellen und alles andere mehr oder weniger dazuakzeptieren. Wie sagt man so schön: "Liebe macht blind!" - zu vergleichen mit dem Stadium der "christlichen Bekehrungseuphorie".

Es ist weise zu unterscheiden zwischen persönlicher, mystischer Erfahrung (vergleichbar mit einem wertvollen alten Bild): "Gott ist da!, Gott liebt mich!, Ich liebe Gott!" und dem meist sehr einengenden, zugeschriebenen Definitionsrahmen (vergleichbar mit einem Institutionell und Theologisch überspannten Rahmen).

Ist ein "HLT"-Untersucher von der Wahrheitsauffassung der Mormonen völlig überzeugt, so wird die gesamte Theologie der "HLT"-Kirche nun Grundlage für sein persönliches Weltbild und natürlich auch für seine Diskussionen. Ein typischer Mormone (und davon gibt es Viele) wird deshalb auch niemals über den "Tellerand" der "HLT"-Lehre hinaus argumentieren. Im Zweifelsfalle wird das Gespräch meist ausweichend oder beziehungsentfremdet abgebrochen.

Ein Erwachsener bringt es vielleicht vertig, sich mit Hilfe der "HLT"-Dogmatik ein für ihn taugliches Weltbild anzueignen, jedoch ein 8-Jähriges Kind kann die umfangreiche Dogmatik der "HLT"-Kirche niemals erfassen, geschweigedenn durch die Taufe sinnvoll "Ja" dazu sagen! Es kann zwar eindeutig "Ja" zu Jesus sagen (emotional), nicht aber die Kirche und ihre ganze Lehre verstehen (rational).Hier wird meiner Meinung nach auch den Kindern in der "HLT"-Kirche eine wichtige Entscheidung vorweg genommen!

Durch die Akzeptanz der "Alleinwahrheit" der "HLT"-Kirche, rüstet sich jeder Mormone mit einengenden Scheuklappen, die ihm anderseits aber auch den nötigen Halt und die Sicherheit geben, um einen (vielleicht schon längst fälligen?) emotionalen Zusammenbruch zu verhindern. "Sicherheit um jeden Preis" - durch extreme und schutzsuchende Vorstellungen und Verhaltensweisen!?

Erkennt ein Mormone Fehler in der Lehre oder dem System der "HLT-Kirche", so droht den meisten der emotionale Zusammenbruch, denn die Mitgliedschaft gründet sich oft auf der Überzeugung, dass alles wahr ist, oder eben alles falsch! Unter der Last der Beweise in Bezug auf die zweifelhafte Herkunft und Entstehung des Buches Mormon und anderer sog. "Hl.Schriften", läuft die Kirche bereits ihrem Todesurteil entgegen - the green mile. Viele Mitglieder verdrängen bestehende Fakten, zugunsten ihrer emotionalen Stabilität oder beschäftigen sich gar nicht erst damit. Die Angst - "vom Glauben abzufallen", - sitzt ihnen sprichwörtlich im Nacken!

Hat ein Ex-Mormone ausserhalb der "HLT"-Kirche keine Freunde und Kraftquellen, dann sieht er sich häufig mit der grössten Herausforderung seines Lebens konfrontiert: mit sich selber!

Die Mitglieder sind (unterschiedlichster Motivation) aktiv in der "HLT"-Kirche, so dass oft erst körperliche oder psychische Überbelastungen zum Nachdenken über Konflikte mit der Kirchenlehre anregen.

Es kommt vor, dass man nach dem Austritt seine nun überschüssige Energie in anderen Bereichen auslebt, statt sich darauf zu konzentrieren, "das Übel (z.B. eine Psychose, eine Wahnvorstellung) an der Wurzel zu packen". Als "Exmormone" muss ich lernen, mich wieder ganz praktisch dem Leben mitzuteilen. Das geht nicht so schnell. Ich brauchte viel Ruhe zum Nachdenken und neue Erfahrungen. Mit Hilfe von Freunden habe ich ein Gleichgewicht gefunden zwischen der Vergangenheit, die mich geprägt hat und auch heute nocht begleitet und der aktiven Teilnahme am Leben.

Die "HLT"- Kirche missbraucht das Bedürfnis der Wahrheitssuche und der transzendenten Sinnsuche, indem sie für das Resultat der Suche das perfekte, unantastbare Ergebnis anbietet. Ein Versprechen, wie das Gold am Ende eines Regenbogens. Daneben entschieden, anders entschieden, teilweise entschieden, etwas anderes gefunden - das zählt nicht!

Jeder sucht sich persönliche Kraftquellen. Kraftquellen, die mit unseren Körpersinnen nicht wahrnehmbar sind, wohl aber eindeutig aufbauend und motivierend sind für unsere Lebensqualität.

Wenn man diese persönlichen, transzendenten, sinnfüllenden Kraftquellen gut verpackt und übersichtlich anbietet - siehe "HLT"-Kirche, dann finden sich auch immer wieder Menschen, die darauf "fliegen" und die Verpackung für "Bare Münze" halten, wobei die Verpackung an sich das "Schaffell" darstellt. Der "Wolf" lauert drunter - vielleicht auch der eigene Wolf?

Es gibt keine generelle Verpackung oder Definition unserer eigenen Kraftquellen, die für alle gilt! Transzendente Ressourcen oder Kraftquellen sind etwas ganz persönliches und sollten es auch bleiben.

Niemanden brauchen wir unseren Deutungsrahmen für sinnvolle Kraftquellen aufzwingen - und wenn der Mund vor Freude noch so überläuft - viel mehr sollten wir unsere Kraftquellen sinnvoll in unserem Leben umsetzen: Freude leben, Fainis leben, Verständnis haben, wirklich helfen, tolerant sein, aktzeptieren können, praktisch werden - sprich einfach auch die Weisheit und den Verstand benutzen, den wir brauchen, um nicht zum zerstörenden Elefant im Porzellanladen der Gefühle unsere Mitmenschen zu werden.

Wenn wir unsere guten Vorsätze leben würden, statt davon zu reden, dann würden viele Menschen von selbst auf die Suche nach einem "Sinn" oder einer "Kraftquelle" gehen - ohne unser "Plappermaul". Vielleicht werden wir dann auch mal gefragt, von wen oder von was wir "Kraft" bekommen, die uns trägt, uns Gleichgewicht gibt oder die uns Freude schenkt. Das ist dann ganz natürliche Missionsarbeit - nichts aufgezwungenes oder so, sondern ganz einfach der Duft der Rosen, der jeden an macht!

Die "HLT"-Kirche ist wie eine Mutter, die es nicht lassen kann ihren Kindern alles nachzuräumen, alles zu kontrollieren und auch alles zu geben, was sie scheinbar brauchen. Wenn die Kinder erwachsen werden wollen, läuten bei ihr die "Alarmglocken", denn das könnte "Abschied" bedeuten. Das darf nicht passieren, schliesslich sind die Kinder ja ohne sie verloren und hilfos - und sie auch!? Meines Erachtens ein typisches "Helfer-Mutter-klammer-syndrom".

Entdecken Sie Ihre persönlichen Kraftquellen und nutzen Sie diese kreativ, damit Ihr Bedürfnis - sofern bewusst vorhanden - nach Selbstranszendenz und Sinnerfüllung einen persönlichen Charakter bekommt und dadurch Ihren Lebensalltag und die Welt bereichert!


Kontakt: Jonas Daum

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