Was bringt der Glaube eigentlich?

Projektionen und Wünsche sind Ausdruck von Bedürfnissen, die einen Deutungsrahmen brauchen - das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit, nach Sinn und Selbsltranszendenz. Gläubigkeit galt früher in der Psychologie als Ausdruck ausgeprägter Realitätsflucht und Engstirnigkeit. Diese Postulate der Psychologie lassen sich nur noch bedingt aufrechterhalten. Es gibt unübersehbar positive Zusammenhänge zwischen bestimmten Formen von Religiosität und leib-seelischer Gesundheit.

Mit Sigmund Freud gehen viele von dem Verdacht aus, Religiosität sei grundsätzlich eine "universelle Zwangsneurose".

Ob Religiosität sich aber gesundheitlich positiv oder eher negativ auswirkt, hängt entscheidend vom Typus des Glaubens ab. Menschen, die in der Furcht leben, für ihre Sünden von einem strengen (oder leistungsbedachten!) Gott bestraft zu werden und die diese Strenge auch in ihrer Glaubensgemeinschaft als "emotionales Klima" erleben, neigen sogar stärker zu Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen als Nicht-Religiöse. Umgekehrt fördert der Glaube an einen wohlwollenden, freundlichen Gott, der menschliche Schwächen nachsichtig beurteilt, in Verbindung mit emotionaler Geborgenheit in einer (Glaubens-) Gemeinschaft das psychische und körperliche Wohlbefinden deutlich.

Herbert Benson schliesslich unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen der Gläubigkeit, einer eher passive-akzeptierenden und eine aktiv-fordernden: Nur wer "loslassen" und sein Schicksal vertrauensvoll in die Hand Gottes (oder einer anderen höheren Macht) legen kann, profitiert von der gesundheitsfördernden Kraft des Glaubens. Typisch für diese Haltung sind Gebete des Typs "Dein Wille geschehe". Dagegen zeitigt ein "berechnender", extrinsisch motivierter und auf Wirkung kalkulierter Glaube keine positiven Gesundheits-Effekte.

Wer an einen gütigen Gott oder eine andere positive transzendente Kraft oder auch "nur" an einen tieferen Sinn des Lebens glaubt,

- bewältigt Lebenskrisen, Stress und psychosoziale Konflikte leichter: Glauben begünstigt effektive "Coping" -Strategien,

- ist deshalb weniger anfällig für stressbedingte und psychosomatische krankheiten: Glauben wirkt präventiv,

- bringt, falls er dennoch einmal erkrankt, mehr Vertrauen auf den Heilungsprozess auf und fördert ihn so: Glauben begünstigt die Genesung,

- konsumiert weniger Alkohol, zigaretten und andere Drogen als Nicht-Gläubige und ist entsprechend weniger durch Sucht oder andere negative Folgen dieses Konsums gefährdet: Glauben beeinflusst den Lebensstil im Sinne von gesünderen Gewohnheiten,

- kann das Sterben leichter akzeptieren und erlebt die letzte Lebensphase weniger angstvoll und verzweifelt.

Selbst nicht-religiöse Menschen können nachweislich von der Kraft religiöser oder spiritueller Praktiken profitieren, indem sie sich sozusagen leihweise der diversen Gebets-, Versenkungs- oder Meditationstechniken bedienen. Wie ein "spirituelles Gefühl" der Kraft, der Sicherheit und der Verbundenheit mit einer "höheren" Macht oder Energie auch bei Nicht-Gläubigen entstehen kann, beschreibt Herbert Benson, Harvard-Kardiologe und Entdecker des "Entspannungs-Reflexes", in seinem Buch: "Heilung durch Glauben". Das konzentrierte Wiederholen eines Gebets oder eines Mantras bewirkt eine tiefe körperliche Entspannung, eine wohltuende innere Leere und eine Befreiung der Psyche von alltäglichen Gedankenströmen, Ängsten und Sorgen. Immer detaillierter lässt sich die Beziehung zwischen religiösen Überzeugungen und psychischen und körperlichen Befinden darstellen.

In der konfessionellen Gebundenheit finden wir oft einengende Deutungsrahmen - z.B. das Gottesbild im Mormonismus, der zwar einen liebevollen, aber dennoch sehr erwartungsvollen Gott lehrt. Daraus ergibt sich, dass man alles mögliche tun muss, damit man in den Himmel kommt - Kirchenriten, Missionsaktivitäten, dem Nächsten dienen usw. Gnade ist bei den Mormonen mehr theoretische Angelegenheit - es zählt mehr das, was man getan hat. Am meisten zählt natürlich das, was man in Beziehung mit der Kirche getan hat! Das für den Menschen durchaus dienliche Evangelium des neuen Testamentes wird bei den Mormonen meiner Meinung nach "missbraucht". Es dient nicht mehr seinem Zweck und wird mit anderen Lehren in einen Topf geschmissen. Ob es den Führenden in der Kirche bewusst ist? Ich glaube nicht! Sie sind getäuscht bis zum Propheten. Wie lange aber wollen sie sich noch täuschen lassen? Wie lange wollen sie ihre Augen noch verschliessen?

Auch in vielen "Bibeltreuen Kirchengemeinschaften" (The Bibel alone!) gibt es starke Verzerrungen der gut gemeintern Botschaft des Evangeliums. Der Grund liegt oft im zu wörtlich genommenen Bibelwort. Die Bibel wird so eng ausgelegt, - angeblich mit dem Hl.Geist, - dass ihre wahre Botschaft total entstellt ist.

Ich appeliere dringlich auf eine Emanzipation im Glauben und auf das gesunde, kritische Denken. Mystik und Wiederstand sind verbündete. Wer sich befreien will, der muss anfangen zu denken - da gibt es keine einfachere Lösung, denn die Komplexität des "Aussteigens" und des Verstehens, warum und wiso, betrifft immer auch unsere eigenen, unbewussten "Ebenen". Die komplexe Auseinandersetzung mit sich selbst, ist die eine Seite. Der einfache Glaube und seine positiven Stützen - die andere. Sich selber erkennen erfordert Mut und die Fähigkeit, sich analytisch und kritisch mit seinen eigenen Gefühlen und Motivationen auseinanderzusetzen.

Das Cristentum kann den Freiraum bieten, den jeder braucht, um sich innerlich zu befreien - siehe mein Referat: "Von wegen abgefallen".

Gott hat uns Füsse und Beine gegeben - laufen müssen wir jedoch selber. Zur Gnade Gottes hinzu gehört immer auch aus der Liebe entsprungene Eigenaktivität, Bewegung, Selbstfindung und nicht zu letzt auch der Wille begnadet zu werden. Gott ist nicht wie ein Geschäftsführer, der bewertet was wir getan haben. Er ist mehr wie ein Vater, der "alles" gibt für seinen "verlorenen Sohn", wenn dieser von selber zurück kommt. Das ist dass einzigste wirkliche Geschenk, das wir Gott machen könnten - ihm unseren Willen, unsere Liebe schenken - alles andere gehört sowiso schon ihm.

"Das Wollen und das Vollbringen" Phil, 2,13. - "Gottes Gnade" und die "Werke" ins Gleichgewicht bringen und die Schwerpunkte richtig setzen lernen - das ist eine Herausforderung für jeden Christen. Gott misst nicht in "kg" oder in "Zentner" oder in "m", sonder Er sieht den guten Willen! Das Ergebnis wertet Er nicht - weiss Er doch, wie Er uns geschaffen hat - mit Schwächen, - so wird er uns nicht mit leistungsorientierten Masstäben drangsalieren. Welch ein Sadist wäre Gott! Beim biblischen Gleichnis der "Arbeiter im Weinberg", gab der Weinbauer jedem Arbeiter den selben Lohn, obwohl es einige gab, die schon früh morgens angefangen haben - andere gesellten sich erst kurz vor Feierabend mit dazu. Jeder erhielt den selben Lohn! Nicht nach Leistung zahlte der "Weinherr", sondern weil sie den Willen zur Arbeit zeigten. Qualität, nich Quantität zählt. Das Motiv ist etscheidend, nicht wie oder wie viel wir von etwas tun. Ich muss kein "Limit" bringen - die Liebe zu dem was ich mache ist entscheidend.

Die Mormonen haben ein zu starkes Gewicht auf die "Taten" oder auf das, "was man tun muss, um seelig werden zu können". Die Gnade wird nur am Rande der Theologie erwähnt, obwohl sie eine der wichtigsten Säulen des christlichen Glaubens darstellt:

"Für jetzt bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am grössten unter ihnen ist die Liebe." 1.KORINTER 13, 13 - nicht die Taten!

Paulus sagte zwar: "Glaube ohne Werke ist tot" Glaube ohne Liebe ist aber noch viel mehr tot! Ebenso natürlich auch jede Tat, die ohne liebenden Glauben verübt wird. Jede Tat die man macht, "damit man in den Himmel kommt", oder "weil man dadurch dem Himmel näher kommt", hat ein egoistisches (vielleicht auch in der Angst begründetets) Grundmotiv. Jede Tat, die aus der Nächstenliebe heraus getan wird, hat unendlich viel Wert. Jedes Märtyrretum ist jedoch bedeutungslos, wenn es nur der "Seeligkeit Willen", "dem Himmelreich wegen" oder "der Kirche wegen" passiert. Geschieht es aber aus Liebe, so stimmt das Motiv.

"Die Liebe ist langmütig, sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf". 1.KORINTER 13,4 - "Das ist die einzigst wahre Kirche!!!"

"Sein Körper, seine Arme und seine Beine" sein können, wie es in der Bibel heisst, dazu müssen wir lieben! Damit das Feuer im Ofen an geht und an bleibt, müssen wir uns immer wieder auf die Liebe Jesu besinnen. Wenn wir das tun, dann geschieht Vieles natürlicher und spontaner - unbewusst - , als wie ein auf Erwartungen kalkuliert und begründetes Handeln.

Hast Du Gott schonmal etwas tun sehen ohne uns Menschen? Hast Du die Welt in ihrer Trauer getröstet? Wenn nicht Du, wer dann?

"Im Glauben an Jesus tätig sein und sich gleichzeitig der eigenen Schwachheit Ihm gegenüber bewusst werden. Aber auch seiner Gnade, die uns erheben will und stark machen will. Er hat uns zu "seinem Ebenbilde" geschaffen und nicht als "schwarze Fliegen, die kaum länger als einen Tag zu leben haben - sondern für die Ewigkeit". J. D.

Die Gnade Jesu ist eine Tür, durch die man gehen kann. Da gibt es keine Bewertung wie "gut" oder "schön" jemand die Türe durchschritten hat. Jeder ist gleich - es kommt nur auf den Willen und die Liebe an, nicht auf das Ergebnis. Gott schaut auf das Innere - auf die Liebe, die mehr im Kleinen steckt, als wie im vermeintlich Grossen. So manch herzliches Lächeln hat in der Welt schon mehr bewirkt, als wie die "grössten Taten" unserer Zeit.

Wie einengend oder freizügig ist mein persönlicher Deutungsrahmen? Ist er für mich selber und andere angenehm oder einengend?

Jesus hat eine frohe, nicht einengende Botschaft für alle Menschen:

"Liebet einander, wie ich Euch liebe - sonst nichts!"


Kontakt: Jonas Daum

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