Aussteigen

Ein Ratgeber für alle, die sich ernsthafte Gedanken über eine weitere Mitgliedschaft in der Gemeinschaft machen. Dieser Abschnitt gliedert sich in


Es ist sicher nicht leicht, sich von einer Organisation zu trennen, die ihre Furchen bis ins tiefste Privatleben hinein zieht und ihre Mitglieder unter völliger Kontrolle hält. Irgendwann wird der ernsthafte Leser einmal einen Anlaß haben, sich mit seiner Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft auseinanderzusetzen, auch wenn von Seiten der Gemeinschaft hiervon ständig abgeraten wird. Keiner dieser Anlässe zum Nachdenken ist in irgendeiner Weise verwerflich oder sollte etwa gemieden werden. Die Gründe für ein Verlassen der Organisation sind dagegen sehr wesentlich, besonders für das eigene Wohlbefinden, deshalb sollen hier einige Tips gegeben werden:

Diese Forderungen sind wichtig, weil man für immer zu dieser Entscheidung stehen muß. Verläßt also jemand halbherzig die Gemeinschaft, besteht die akute Gefahr, die Gründe für diesen Schritt später selbst anzuzweifeln und zur Organisation zurückzukehren. Entsprechend der Lehre hat man eine der schlimmsten Sünden begangen, mit der man dann (ewig) zu leben hat. Das Gerüst der Organisation ist auf psychologischem Druck aufgebaut, der für einen Rückkehrer noch viel größer wird. Außerdem bestärkt das die anderen Mitglieder noch mehr in ihrem Glauben. Ein reuiger Rückkehrer ist einer der stärksten Zeugnisquellen.

Ist das Ergebnis dann klar, entsteht möglicherweise die Frage, wie man sich von der Gemeinschaft trennt. Es gibt zwei Wege, diese Trennung von der Organisation zu erreichen:

Der Austritt auf dem Priestertumsweg

Zuerst solltest Du Dir natürlich Gedanken darüber machen, wie Du den anderen Mitgliedern Deine neue Überzeugung bekannt machen möchtest. Du mußt in jedem Falle mit großem Unverständnis rechnen. In letzter Zeit hast Du bereits genug gelitten, deshalb solltest Du es so kurz und schmerzlos wie möglich machen. Am besten prüfst Du, ob für Deine Region ein Austritt über die staatlichen Stellen in Frage kommt, da dieser völlig unabhängig von allen und somit einfacher als alle in diesem Abschnitt beschriebenen „gehorsamen“ Verfahrensweisen ist. Wie gesagt, von bloßem Fernbleiben von der Gemeinschaft rate ich ab. Du hast es bis hierher geschafft, jetzt schaffst Du den letzten Schritt auch noch. Danach hast Du dann (sicherlich) Deine Ruhe. Hier nun einige Varianten:

Das kuriose ist, daß niemand aus der Gemeinschaft austreten kann, man kann nur „ausgeschlossen“ werden. Diese psychologische Barriere wurde als Abschreckung von den Führern aufgebaut, hat aber gar nichts zu bedeuten. Die Organisation unterliegt als Institution dem Gesetz und jedermann kann ein- und austreten, wie es gefällt. Die Entscheidung über den Ausschluß liegt in erster Instanz beim Bischof, bei Endowmentträgern beim Hohen Rat und der Pfahlpräsidentschaft, die auch die Bischofs- bzw. Kirchengerichte durchführen. Den Ausschluß bekommt man schriftlich mitgeteilt, jedoch nicht immer mit einer korrekten Begründung.

Der staatliche Weg zum Austritt

In Deutschland ist die HLT-Organisation in den Bundesländern Berlin und Hessen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es reicht daher aus, eine Austrittserklärung beim Amtsgericht abzugeben. Die Aufhebung der Mitgliedschaft wird dann der zuständigen Stelle von Amts wegen zugestellt. In den anderen Bundesländern besteht kein Anspruch auf eine derartige Handlung durch die Behörden, da die HLT-Gemeinschaft hier keinen öffentlich-rechtlichen Status besitzt. Man kann es jedoch auf einen Versuch ankommen lassen, und zwar in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und in der Pfalz beim Standesamt sowie in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Thüringen und im Rheinland beim Amtsgericht. Die HLT-Verwaltung widerspricht den amtlichen Anforderungen auch aus diesen Ländern in der Regel nicht.

In Österreich ist die HLT-Gemeinschaft eine von zwölf staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften (neben Römisch-Katholische Kirche, Evangelische Kirche AB und HB, Griechisch-Orthodoxe Kirche, israelitische Religionsgemeinschaft, Islam, Altkatholiken, Methodisten, armenisch-apostolische Kirche, neuapostolische Kirche, syrisch-orthodoxe Kirche, Buddhisten). Damit kann von jedem Mitglied, das auf dem Meldezettel HLT als Bekenntnis angegeben hat, eine Beitragseinhebung durch die örtliche Kirchenbeitragsstelle erfolgen. Somit ist auch der Austritt aus diesen Religionsgemeinschaften über die staatlichen Stellen möglich. Es ist lediglich eine Austrittserklärung beim Magistrat zu stellen.

Eine Möglichkeit der Umgehung der kirchlichen Stellen besteht in der Schweiz leider nicht, da hier der Staat keine besondere Anerkennung vorsieht.

Allgemeines

Hat man den Austritt beantragt, muß die Verwaltung dieser Forderung innerhalb von 30 Tagen nachkommen. Erhält man innerhalb dieser Frist keine Bestätigung über das Erlöschen der Mitgliedschaft, kann man sich an die Unterlagenstelle der Organisation in Friedrichsdorf (bei Frankfurt/M.) für eine diesbezügliche Auskunft wenden. Die Telefonnummer ist (0 61 72) 49 27 54 in Deutschland, es meldet sich Herr Fiedler (Bürozeiten Mo–Fr 7–15.30 Uhr). Mit Antragstellung bzw. Disziplinarverfahren beginnt die 30tägige Widerrufs- bzw. Einspruchsfrist, danach sollte dieser Prozeß aber zügig stattfinden. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man noch als Mitglied der HLT-Gemeinschaft geführt wird, kann man sich ebenfalls unter dieser Telefonnummer Gewißheit verschaffen.

Die Entscheidung, aus der HLT-Organisation auszutreten, war richtig. Nun geht das Leben weiter, für viele wird es ein Neubeginn zumindest im persönlichen Leben sein. Nach diesem Schritt kann man mindestens so glücklich und zufrieden sein wie zuvor. In der ersten Zeit werden Dich die Mitglieder ganz besonders beobachten. Zeige, daß es Dir gut geht und Du glücklich bist, denn das halten Mitglieder ja immer für unmöglich. Jetzt bist Du viel mehr Missionar, als Du es jemals innerhalb der Organisation warst. Du hast guten Grund, frohen Mutes zu sein. Deine Entscheidung war fundiert. Es gibt keinen Anlaß, wieder zur Gemeinschaft zurückzukehren.


Im deutschsprachigen Raum sind Austritte nicht so häufig wie in den USA. Die örtlichen Kirchenführer mögen deshalb mit der Prozedur nicht so vertraut oder auch in ihrer Taktik nicht so gewandt sein. Auch deshalb sei hier vorsichtshalber noch die Übersetzung der Hinweise zum Austritt von Eric A. Kettunen gegeben.

zurückblättern